„Alle paar Meter wird hinter einem eine Tür zugesperrt. Dann wird die nächste aufgesperrt.“ Alma Mora erzählt von den Schleusen auf den Wegen im Gefängnis. „Beim ersten Mal hatte ich ein sehr mulmiges Gefühl.“ Fabian Handwerker sagt: „Man fragt sich auch, wie die Gefangenen drauf sind, wie das wird.“ Und dann wurde das Projekt richtig gut – darüber sind sich die drei Studierenden der Sozialen Arbeit an der Hochschule Coburg nach drei Besuchen in der JVA in Ebrach (Landkreis Bamberg) einig. „Wir waren auch auf sexistische Aussagen gefasst, aber es kam nichts Derartiges. Es war ein sehr wertschätzender Umgang“, erinnert sich Annika Pietsch. „Sport ist im Gefängnis eine Bereicherung, eine Belohnung für gutes Benehmen.“

Die Studierenden haben mit männlichen Straftätern zwischen 18 und 24 Jahren gearbeitet; sie haben für ihr Programm verschiedene Sportarten kombiniert: Tabata, Zirkeltraining, Fußball, Völkerball und Juggern. Dieser Trendsport ist inspiriert vom Film „Die Jugger“, in dem mit einem Hundeschädel gespielt und mit Stangen zugeschlagen wird. „Im Film ist das sehr martialisch“, erklärt Alma Mora. Aber beim Jugger-Sport sind die Waffen weich wie Schwimmnudeln und auch alle anderen Materialien sind gut gepolstert. Der Jugger-Verein Bamberg hat den Studierenden die Ausrüstung zur Verfügung gestellt.

„Für den sozialarbeiterischen Prozess ist Juggern ideal, weil es um Teamarbeit geht“, sagt Alma Mora. Die Spieler auf der Position der sogenannten Pompfer nutzen die Polsterwaffen, um dem Läufer ihres Teams den Weg zum gegnerischen Tor freizukämpfen. Wer getroffen wird, darf sich einige Sekunden nicht mehr rühren. „Stay fit – be fair“ haben die Studierenden ihr Projekt genannt. Beim ersten Termin in der JVA vermisste Fabian Handwerker die Fairness allerdings noch ein wenig. „Man muss sagen, dass man getroffen wurde, und sich dann hinsetzen.“ Das habe am Anfang noch nicht so gut funktioniert. „Aber es wurde schnell besser, weil die Jugendlichen gemerkt haben, dass das Spiel flüssiger läuft und mehr Spaß macht, wenn man fair bleibt.“

Annika Pietsch ergänzt: „Da ist natürlich ein bisschen Aggressionspotenzial vorhanden. Es geht letztlich ja auch darum, dass man Aggressionen regulieren muss.“ Ein wichtiger Schritt für den Weg in die Freiheit.

Die Studierenden hatten an der Hochschule Coburg im Seminar „Sport bewegt“ Einblick ins Juggern bekommen – und in viele andere Sportarten. Die Lehrbeauftragten Prof . Dr. Wulf Bott und Dr. Susanne Bott lehren die Planung, Umsetzung und Dokumentation von Projekten und ermöglichen zusätzlich, den Übungsleiterschein C für Breitensport bei der Bayerischen Sportjugend als Kooperationspartner abzulegen. Die angehenden Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sammeln Erfahrungen darin, Sport im Beruf einzusetzen – und das können sie bereits während des Studiums weiter vertiefen: Fabian Handwerker erzählt, dass er sein Praxissemester in schulischer Sozialarbeit machen will. „Da möchte ich mit den Kindern auch rausgehen, draußen Sport machen. Ohne Übungsleiterausbildung wäre das versicherungstechnisch nicht abgedeckt.“

Annika Pietsch arbeitet im Praxissemester in Österreich in einem Therapiezentrum für junge Frauen mit Essstörung. Auch hier ergänzt Sport die Sozialarbeit. Alma Mora macht ihr Praxissemester im Bereich Sexualpädagogik. „Wir haben sehr viele unterschiedliche Möglichkeiten“, sagt sie. „Der Übungsleiterschein ist eine Zusatzqualifikation, mit der wir uns noch einmal weitere Bereiche erschließen können.“ Nach dem Projekt in Ebrach sei Bewährungshilfe für sie als neues Feld interessant geworden.

Sport hilft bei Resozialisierung

Im Jugendstrafvollzug wird Sport als Mittel zur Resozialisierung genutzt. Harald Götz ist Sportbeamter in der JVA Ebrach. Er sagt: „Das Medium Sport wird in der JVA mittlerweile als wichtiger Baustein zur Resozialisierung und Integration wahrgenommen. Um dem Anspruch gerecht zu werden, versuchen wir, ein vielfältiges Angebot für unsere Insassen anzubieten.“ Hierzu gehörten verschiedene Projekte und im Kernbereich auch Ballsportarten wie Fußball, Basketball und Tischtennis.

„Das Sportangebot wird sehr gut angenommen und bestimmt für viele Gefangene den Rhythmus der Woche. Großen Wert legen wir auf die Akzeptanz und Einhaltung des Regelwerks.“

Beim Sport in der Halle sei schnell vergessen, wo man sich befindet, erzählen die Studierenden . „Keine Gitter an den Fenstern“, sagt Annika Pietsch. „Ein weites Gefühl, man vergisst hier, dass man durch dicke Mauern und Eisentüren gegangen ist.“ Sport ist ein Stück Freiheit. red