Einen „konservativen Haushalt“ verabschiedete der Seßlacher Stadtrat einstimmig in seiner Sitzung am Dienstagabend. Der Gesamtetat von rund 13,2 Millionen Euro fällt etwas geringer aus als im Vorjahr. Ebenso der finanzielle Spielraum: Die Zuführung vom Verwaltungs- zum Vermögenshaushalt beträgt 1,075 Millionen Euro , das Gesamtinvestitionsvolumen inklusive Haushaltsresten beläuft sich auf knapp 5,7 Millionen Euro . „Nach wie vor wirken sich die Corona-Krise und nun auch der Krieg in der Ukraine auf unsere heimischen Firmen und somit auf unseren Stadtsäckel aus“, erläuterte Bürgermeister Maximilian Neeb (FW). Die generelle Preisentwicklung, etwa beim Diesel und bei Baumaterialien, bilde ebenso eine Unbekannte wie die Entwicklung der Gewerbesteuer und höhere Unterhaltskosten. Obendrein müsse Seßlach mit einer höheren Kreisumlage und niedrigeren Schlüsselzuweisungen rechnen, warnte Neeb.

Nicht nur im Haushaltsjahr 2022, auch in den Folgejahren stehen dem enger werdenden finanziellen Spielraum laut Neeb „Großprojekte mit enormen Investitionen“ gegenüber. Egal ob Bau von Wasserleitungen und Kanälen, die Dorferneuerung Merlach-Gleismuthhausen, Sanierung der Kläranlage, Neubau des Wasserhochbehälters, Investitionen in den Brandschutz oder An- und Umbau der Kita Gemünda: Seßlach muss und will diese Maßnahmen angehen, auch wenn die finanziellen Mittel am Ende nicht völlig ausreichen. „Wir müssen uns durchaus mit der Situation vertraut machen, wieder neue Schulden auf uns zu nehmen“, kündigte Neeb an.

Schuldenabbau wird schwierig

In den Vorjahren hatte die Kommune stetig ihre Verbindlichkeiten abgebaut und obendrein Gelder der Rücklage zugeführt. Jetzt gelingt der weitere Schuldenabbau auf 2,834 Millionen Euro (720 Euro pro Kopf) nur durch eine Rücklagenentnahme von 254.000 Euro . Angesichts der schwierigen Lage sieht der Rathauschef den Freistaat in der Pflicht, den Kommunen unter die Arme zu greifen.

Das Lob des Bürgermeisters galt zum einen der „sachlichen, konstruktiven Zusammenarbeit“ im Stadtrat , die dem Beschlusspapier vorausging. Besonders hob Neeb die Leistung der neuen Kämmerin Sandra Geiger hervor: „Sandra hat sich innerhalb kürzester Zeit eingearbeitet und in die Baumaßnahmen hineingedacht, Respekt und Dank dafür.“ Geiger gab das Lob prompt zurück: „Ich habe in meinen ersten vier Monaten Mitarbeitende wie Entscheidungsträger in der Stadtverwaltung als Gemeinschaft kennengelernt, in der motiviert und mit viel Engagement an dem Ziel gearbeitet wird, Seßlach zu einer noch lebens- und liebenswerteren Kommune zu gestalten.“ Es gelte gut abzuwägen, „welche Maßnahmen umgesetzt werden sollen und können“, gab die Kämmerin zu bedenken.