Wolfgang Schultheiß steht mitten im Wald und genau zwischen zwei Zäunen , die junge Bäume vor Wildverbiss schützen sollen. Der Vorsitzende der Waldbauernvereinigung Coburger Land schüttelt den Kopf. So kann für ihn der Wiederaufbau der Wälder nicht aussehen, die nach Dürrejahren und Käferkatastrophen schwer gelitten haben. Für die Waldbauern stehe fest, die Zahl der Rehe muss reduziert werden, deutlich, und für wenigstens zehn Jahre.

Gemeinsam mit WBV-Geschäftsführer Manfred Herter verweist Schultheiß auf das Gesetz. Das fordere, dass heimische Baumarten sich natürlich verjüngen können müssen – ohne Zaun . Dass es mit der Naturverjüngung klappen würde, beweist ein eingezäuntes Gebiet im Wald bei Gossenberg. Junge Eichen und Buchen wachsen hier unter den alten Fruchtbäumen auf. „70 Prozent der Flächen, die wir verloren haben, können so wieder bewaldet werden“, sagt Wolfgang Schultheiß.

Auf den anderen 30 Prozent der Flächen muss gepflanzt werden. In beiden Fällen sei das ohne Zaun aber nicht möglich, weil vor allem Rehe die Pflanzen verbeißen, sprich: die jungen Triebe abfressen.

Die gezäunten Flächen gehen aber dem Wild als Lebensraum verloren und verschärfen das Problem auf den verbleibenden nicht gezäunten Flächen. Und Zäune kosten Geld. „Rund 6000 Euro je Hektar müssen Waldbesitzer rechnen“, sagt Wolfgang Schultheiß. Es führe daher kein Weg daran vorbei, mehr Rehe abzuschießen. Und das soll, geht es nach den Waldbauern, schon vom 1. April an erlaubt sein. Der Grund ist das Gehörn der Rehböcke. Es ist im Winter gewachsen und von einer durchbluteten Schicht, dem Bast, umgeben. Den will der Bock nun loswerden und streift ihn an jungen Bäumen ab. Er fegt, wie es in der Jägersprache heißt. Die dabei entstehenden Schäden an der Rinde heißen daher Fegeschäden – und sind für viele Bäume tödlich. „Es dringen Pilze ein und schädigen den Baum“, sagt Manfred Herter.

Lieber schöne Trophäen

 

Dass Jäger sich gegen diesen frühen Abschuss wehren, liege daran, dass ein Bock, der im Bast geschossen wurde, keine schön anzusehende Trophäe liefert. Trotzdem beginnt die Bockjagd in Hessen, Thüringen, im Saarland und in Niedersachsen bereits am 1. April. In Bayern wehrten sich die Jagdverbände bisher erfolgreich gegen eine Veränderung. Es bleibt beim 1. Mai.

Der Wiederaufbau der Wälder dient nicht nur dem Einkommen der Waldbesitzer, betont Wolfgang Schultheiß. „Wir haben im Landkreis rund eine Million Festmeter Holzvorrat durch die Schäden verloren. Das heißt, es sind etwa eine Million Tonnen gebundenes CO2 aus den Wäldern verschwunden“, rechnet er nach einer Faustformel vor.

Um diese CO2-Senke wieder nachwachsen zu lassen, sollten nach Ansicht der Waldbauern zehn Rehe je 100 Hektar Wald geschossen werden. Im Staatswald werde das erreicht, in Privatjagden oft nur die Hälfte.