„Rätselhafter Zankapfel zwischen Coburg und Bamberg“ ist Thema einer Exkursion , zu der am Samstag, 27. August, der Geschichtsverein Colloquium Historicum Wirsbergense (CHW) auf die Burgruine Fürth am Berg bei Neustadt einlädt. Treffpunkt ist um 16 Uhr am Parkplatz hinter dem Friedhof am Glashüttenweg.

Rätselhaft ist die Burganlage Fürth am Berg nicht nur wegen ihrer Lage und der spärlichen Reste, die nach einer Sprengung erhalten geblieben sind. Die 1348 erstmals schriftlich erwähnte Burg war Mittelpunkt eines bambergischen Amtes. Burg und ein Teil des Amtes lagen aber inmitten der Pflege Coburg. Bis ans Ende des Alten Reiches war die Landeshoheit zwischen dem Hochstift Bamberg und Sachsen-Coburg strittig. Das Amt Fürth am Berg mit Streubesitz auf dem Gebiet der heutigen Landkreise Coburg, Kronach und Sonneberg ist ein typisches Bespiel für die ziemlich verschachtelten Territorialstrukturen in Franken.

Fürth am Berg gehörte zu einer regelrechten „Konfliktzone“ zwischen dem Hochstift Bamberg und der sächsischen Pflege Coburg, die vom Waldbesitz an der Kriegsleite bei Heinersdorf über die Herrschaft Neuhaus-Schierschnitz mit ihren Schutzdörfern auf Kronacher Gebiet bis hin zu den Holznutzungsrechten sächsischer Untertanen im Lichtenfelser Forst reichten.

Mehrere Grabungskampagnen

Die Streitigkeiten füllen ganze Aktenbände in den Archiven in Coburg und Bamberg und beschäftigten auch lange Zeit die Juristen des Reichkammergerichts. Freilich, alleine die typische Kleinstaaterei inklusive ihrer heute grotesk anmutenden Konflikte würde die Ruine noch nicht weiter interessant machen. Es ist dem Engagement der Mitglieder des 1989 gegründeten Burgvereins Fürther Burg zu verdanken, dass sich die Archäologen der kleinen Anlage angenommen hatten. Mehrere Grabungskampagnen der Universität Bamberg zwischen 1991 und 1996 förderten nämlich nicht nur den Burgalltag zwischen spätem Mittelalter und Dreißigjährigem Krieg zutage. Der Grabungstechniker Werner Feil entdeckte nämlich, dass die spätmittelalterliche Amtsburg inmitten einer älteren Befestigung liegt. Konstruktion des Außenwalles und das spärliche Fundmaterial aus diesem Bereich deuten auf eine Anlage des 10. Jahrhunderts. Möglicherweise gehörte Fürth am Berg zu jenen Fluchtburgen, die unter den sächsischen Königen Heinrich I. und Otto I. errichtet wurden, um den permanenten Kriegszügen ungarischer Reiterheere ein Ende zu bereiten. Neben Wallanlagen bei Banz am Obermain oder der Gruber Höhe bei Bachfeld im Schaumberger Land könnte auch Fürth eine solche Befestigung gewesen sein. Neben der Befestigung selbst weist Fürth auch noch eine weitere Parallele zu anderen ähnlichen Anlagen auf – die Nähe zu frühen Fernwegen, sogenannten „Altstraßen“. Die Gegend von Fürth am Berg schließt wie ein Riegel den Neustadter Kessel und das Sonneberger Unterland nach Süden ab. Wohl bereits seit der jüngeren Bronzezeit führte eine Fernverbindung vom Gebiet der oberen Saale über den Sattelpass bei Judenbach und parallel zur Steinach hinunter nach Fürth. Dort wurde die Steinach überquert, worauf auch der Ortsname hinweist, der sich auf eine Furt, eine sanfte Stelle im Fluss, bezogen haben könnte. Weiter führte diese frühe Straße über das Sonnefelder Plateau hin zum Obermain. Möglicherweise war dort der Mainübergang bei Hochstadt das Ziel. Dass in der Nähe dieses Weges frühe Befestigungen entstanden, verwundert nicht weiter. Der Muppberg bei Neustadt war seit der jüngeren Bronzezeit durch eine Höhensiedlung belegt, aber auch Fürth am Berg könnte frühzeitig relevant gewesen sein. red