Altenkunstadt — Die Familienwallfahrt der katholischen Kirchengemeinde Altenkunstadt wurde zu einem spirituellen wie auch informativen Gemeinschaftserlebnis. Pastoralreferentin Birgit Janson hatte die Herbst-Pilgertour zum Thema "In Gottes Schöpfung steckt so viel Energie" hervorragend organisiert.
Die junge Geistliche freute sich darüber, dass alle Altersgruppen vertreten waren und das auch noch überaus zahlreich.


141 Meter hoch

Auf den Jurahöhen zwischen Görau und Seubersdorf übernahm Ludwig Winkler die Leitung. Der Woffendorfer Förster führte die Pilgerschar zu imposanten Windrädern und informierte über die Entstehung und Nutzung des Windparks.
"Zwei Windräder wurden als Bürgerwindräder finanziert und können den Jahresstromverbrauch von rund 3000 Einfamilienhäusern erzeugen", erläuterte Winkler. Die Nabenhöhe betrage immerhin 141 Meter, während die Rotoren einen Durchmesser von 117 Metern hätten.
"Auch wenn manchem die Windräder aufgrund ihrer Größe und Fläche ein Dorn im Auge sind, so ermöglichen sie doch eine umweltfreundliche Nutzung von Kräften der Schöpfung der Erde", gab der Förster zu bedenken. "Was wäre wohl besser? Atommeiler wie in Grafenrheinfeld oder hier diese Windräder?", fragte er in die Runde. Worte, die die Wallfahrer nachdenklich stimmten. Im Waldgebiet "Weinleite" ging Winkler auf die Forstgeschichte der Jurakiefernwälder ein. Ziel müsse es sein, diese vor mehr als 120 Jahren entstandenen Kiefernforste in standortgerechte Laubmischwälder umzubauen.
Die sich überall ansamende Fichte sei für den sich abzeichnenden Klimawandel auf keinen Fall geeignet: "Der Borkenkäfer würde hier leichtes Spiel haben." Leider werde der in den 1980er-Jahren begonnene Waldumbau nicht mit der notwendigen Konsequenz fortgeführt. Ein Hindernis seien sicher die noch relativ hohen Rehwildbe-stände, die eine Zäunung notwendig machten.


Verrosteter Zaun

Aus forstspezifischer Sicht längst nicht mehr benötigt wird jedoch ein alter verrosteter Zaun, an dem die Gruppe vorbeikam. Für manchen Pilger entpuppte er sich als gefährliche Stolperfalle. Ziel der Familienwallfahrt war der kleine Jura-Ort Seubersdorf. In der 1959 eingeweihten Kapelle St. Michael hieß Mesnerin Mathilde Kießling Kinder und Erwachsene willkommen. Das schmucke Gotteshaus steht auf einem ehemaligen Turmhügel mit immerhin 25 Metern Durchmesser.
Der Bau trat an die Stelle einer alten Kapelle aus dem Jahr 1880. Den Pilgern gefiel der schöne Hochaltar, der ursprünglich in der Pfarrkirche in Lohndorf im Landkreis Bamberg stand. Die Seubersdorfer erwarben 1892 das sakrale Schmuckstück und stellten es in ihrer Kapelle auf. Zusammen mit Pastoralreferentin Birgit Janson feierten die Gläubigen eine Andacht.
"Wir haben unterwegs viel von der Stärke und Energie des Windes gehört. Gedanken, die sich auf den Sturm des Heiligen Geistes, wie er in der biblischen Geschichte von Pfingsten überliefert ist, übertragen lassen." Auch dabei sollte sich jeder fragen: "Mit welcher Windstärke hat Gottes Geist mich und mein Leben bereits erfasst?" Vom "geistlichen Wind" gestärkt, marschierten die Teilnehmer nach Zultenberg.
Vorbei am 2010 in Betrieb genommenen Solarpark. "Die Leistung beträgt rund 5000 Kilowatt Peak und dürfte wohl die Energie für etwa 1500 Einfamilienhäuser produzieren", informierte Ludwig Winkler. Voraussetzung dafür sei optimales Wetter. Bernd Kleinert