Er liebt Gummibärchen und ist ein passionierter Chili-Züchter. Widersprüche schließen sich bei Helmut Vorndran nicht aus. Daher lag es auf der Hand, dass er die Präsentation seines Jubiläumskrimis "Das Makarov-Puzzle" am Donnerstagabend in der Kulmbacher Stadthalle ebenso eigenwillig gestaltete.

"Ich habe hier drei Chilis in dieser Schachtel", startete der Krimiautor seine Lesung. "Wer eine davon jetzt isst, bekommt ein Buch geschenkt." Nach anfänglichem Zögern fanden sich tatsächlich zwei mutige Zuschauer, die beherzt in die Schachtel griffen, um kurz danach ihre Getränke in zügigem Tempo zu leeren. Auch auf dem Buchtitel seines neuen Romans glänzt ein knallrotes Musterexemplar einer Chilischote. "Aber meine Leser wissen, dass Buchtitel und Coverbild nur peripher mit dem Inhalt zu tun haben." Helmut Vorndran schmunzelt.

"Ich schreibe Krimis, aber wer sich heute einen schaurigen Abend erhofft, der ist hier falsch", erklärt er, denn viel lieber lese er das vor, was "im Privaten" passiere, im Fränkischen halt. Und so erzählt er von Presssack, einem der sieben Nachkömmlinge des begabten Ermittlerferkels Riemenschneider, das Fans bereits aus den vorherigen Bänden kennen.

Die Sache mit den Haßbergen

In Vorndrans Büchern tauchen auch immer wieder Wunschpersonen oder Wunschorte auf. "Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich mit dem Landkreis Haßberge nicht so gut klar komme", sagt der Autor, dort lebten die schlechtesten Autofahrer. "Drei Unfälle, drei Mal mit Haßfurter Beteiligung, drei Mal war ich nicht schuld."

Bei einer Lesung in Haßfurt sei er einmal von einem Leser gebeten worden, dessen Heimatort Wohnfurt in einem seiner Bücher zu verewigen. "Sind Sie sicher?" Und so fand die Geschichte um einen 94-jährigen, der sich weigerte, seinen Führerschein abzugeben, Einzug in Vorndrans zehnten Kriminalroman. "Alle Figuren in meinen Büchern gibt es - sie haben einen anderen Namen und eine andere Funktion, aber sie existieren im wirklichen Leben."

Was ihn nicht hindert, alles zu skurrilen Ereignissen zu verweben. "In diesem Buch gibt es so viele durchgeknallte Geschichten wie noch nie", verrät der frühere Kabarettist, der sich als Seelenverwandter eines Douglas Adams sieht. "Deswegen schreibe ich gerne Krimis, denn da kann man noch ziemlich schräg sein."

Seine Romane seien daher mit einem sonntäglichen Tatort nicht zu vergleichen, "bestenfalls noch mit dem Tatort aus Münster". Denn sein bissiger, teils zynischer Humor ist es, der Vorndran umtreibt und den seine Leser zu schätzen wissen.

"Helmut Vorndran ist ein Verbreiter des schwarzen Humors", zitierte somit auch Christine Friedlein von der Buchhandlung Friedrich, Organisatorin der Veranstaltung, aus einem Artikel. "Wir mussten coronabedingt in die Stadthalle ausweichen, denn in unserer Bücherei wären wir - um es fränkisch zu sagen - alle ‚neigstopft' gewesen." So sei es viel besser, sich heute mal mit (Achtung Wortspiel) "Helmut vorndran auseinander zu setzen".

Irre Verschwörungstheorien

Seinen Lesern versprach der Krimiautor indes, bereits in der kommenden Woche mit den Arbeiten an seinem neuen Roman zu beginnen. "Natternsteine" soll das Buch heißen, und es wird wieder ein aktuelles Thema im Hintergrund abgehandelt werden.

"Ich habe nicht viel übrig für Verschwörungstheorien. Das nächste Buch wird sich nicht um Corona drehen - aber Verschwörungstheoretiker kommen sicher vor", kündigte er an. "So etwas Irres wie im letzten Vierteljahr habe ich nämlich noch nicht erlebt."