Andreas Lösch Weitermachen, ja oder nein? Die meisten der amtierenden Bürgermeister im Landkreis Haßberge sagen: Ja! Ob es damit auch klappt, das liegt nicht allein in ihrer Hand - das entscheiden die Wähler am 15. März 2020.

Bis dahin ist noch etwas Zeit, aber die Chefs und die eine Chefin der insgesamt 26 Landkreiskommunen haben sich zu ihrer Zukunft bereits geäußert oder erklärt, was Sache ist. So etwa Gertrud Bühl, die derzeit einzige Bürgermeisterin im Landkreis. Die Chefin in Breitbrunn wird bei der kommenden Wahl nicht mehr antreten. Aus Altersgründen, wie die 69-Jährige erklärt. Bei einer Wiederwahl würde sie bald darauf 70 Jahre alt sein. Und 76, wenn die Amtszeit ende. "So eine alte Frau als Bürgermeisterin, das ist den Bürgern nicht mehr zumutbar", sagt sie und lacht.

Drei Jahre wären genehm

Für sie gelte zwar keine Altersgrenze, die für hauptamtliche Bürgermeister auf derzeit 65 Jahre festgelegt ist. "Ich dürfte schon weitermachen. Es ist ja ein bezahltes Ehrenamt", erklärt sie. Aber weitere sechs Jahre im Amt (Bühl ist seit 2008 Bürgermeisterin) könne sie sich nicht vorstellen. "Wenn die Amtszeit drei Jahre wäre, würde ich es machen."

So aber sieht sie mit der Kommunalwahl im kommenden Jahr den besten Zeitpunkt gekommen, um aufzuhören. Sie sei auch "sehr guter Dinge", dass die Freien Wähler wieder einen geeigneten Kandidaten für die Wahl 2020 finden werden. Auch mit Kandidaten von anderen Parteien sei zu rechnen. Aus der Kommunalpolitik werde sich Bühl zurückziehen, also auch nicht mehr für den Gemeinderat kandidieren.

Weiterhin aktiv bleiben

Als aktives Gemeindemitglied von Breitbrunn will sie sich aber nach wie vor verstanden wissen. Beim "Förderverein Erlebniswelt Fränkischer Sandstein" etwa "da bleibe ich dabei. Das ist mir wichtig." Und: "Wo ich gerufen werde, bringe ich mich schon noch ein."

Zwei weitere Bürgermeister werden nächstes Jahr ihre Sessel räumen. Der eine ist Willi Sendelbeck (Rentweinsdorf), der nach über 26 Jahren als Bürgermeister nicht mehr antreten wird, der andere ist Walter Ziegler (Ebelsbach), der mit 69 die Altersgrenze für hauptamtliche Bürgermeister überschritten hat. Ziegler geht nach 18 Amtsjahren aber ohne Wehmut: Niemand sei unersetzbar, sein Nachfolger werde einiges sicher anders machen, "aber es wird weiter laufen", sagt Ziegler. Darauf vertraue er und er werde sich nicht an seine Rolle als Bürgermeister oder dann eben Altbürgermeister klammern: "Wenn mich jemand um Rat fragt: gern. Aber ungefragt werde ich keine Ratschläge erteilen."

Derweilen haben die anderen Bürgermeister im Landkreis bekräftigt, dass sie weiter im Amt bleiben und nächstes Jahr wieder zur Wahl antreten wollen. Nur Bundorfs Bürgermeister Hubert Endres ist sich noch nicht sicher. Die Hälfte seines aktuellen Gemeinderates werde aus Altersgründen ab 2020 aufhören. Er will bis dahin einige Dinge klären, unter anderem mit möglichen neuen Gemeinderatskandidaten laufende oder anstehende Projekte und Aufgaben besprechen. Seine Entscheidung gebe er noch bekannt.

Wonfurts Bürgermeister Holger Baunacher tat dies vor kurzem schon. Er sagte, dass er wieder antrete werde: "Wir haben viele Projekte auf den Weg gebracht, die ich weiterhin begleiten und abschließen möchte." Auch die anderen Amtsinhaber im Landkreis wollen weitermachen und haben das mehr oder weniger öffentlichkeitswirksam bereits kundgetan.

Voller Tatendrang

Ganz offiziell etwa hat diese Woche der Maroldsweisacher Bürgermeister Wolfram Thein erklärt, dass er wieder antreten wird. Er hat dazu eine Pressekonferenz einberufen, die er gemeinsam mit der SPD-Ortsvorsitzenden und ehemaligen Bundestagsabgeordneten Susanne Kastner sowie weiteren Ortsvereinsmitgliedern bestritt. Thein: "Ich will bekannt geben, dass ich wieder kandidieren werde." Nach nunmehr fünf Jahren im Amt und vielen "erfolgreich beendeten" sowie "noch laufenden Maßnahmen" fühle er sich dazu verpflichtet. Er will an seiner zukunftsgerichteten, bodenständigen Politik festhalten: "Versprechen kann man viel, Luftschlösser bauen noch mehr. Aber in dieser Hinsicht bin ich sehr geerdet", sagte Thein.

Den Markt Maroldsweisach bewegen im Übrigen ganz ähnliche Probleme und Aufgaben wie die anderen Kommunen im ländlichen Raum Haßberge: Breitband- und Mobilfunkausbau, Leerstandsbeseitigung, Kita-Plätze, Nahverkehr - um nur einige zu nennen. Da kocht nicht jeder nur sein eigenes Süppchen: Die 25 Bürgermeister und die eine Bürgermeisterin bekennen sich seit Jahren zu interkommunaler Zusammenarbeit und gegenseitiger Unterstützung - parteiübergreifend, Wahlkampf hin oder her.