Der Brauch des Patenbündelaustragen zu Ostern ist in der Region mancherorts noch verbreitet. Früher brachte der Taufpate seinem Patenkind zwölf bunt gefärbte Eier, einen zum Kreis geformten Hefezopf und einen Teller. Das alles befand sich meist in einem großen weißen Tuch, das kreuzweise verknotet wurde. An diesen Brauch erinnern die Patenteller, die in Ehren gehalten werden, als Blickfang im Wohnzimmerschrank.

"Insbesondere in Oberfranken etablierten sich Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts eigenständige Betriebe, die die Weißware der umliegenden Fabriken dekorierten und diese entweder an die Händler oder direkt an die Kunden abgaben", sagt Petra Werner vom Porzellanikon in Selb. Porzellanhersteller aus Bayern, Thüringen, Schlesien und Böhmen hätten sich spezialisiert auf die Ausführung individueller Kundenwünsche, die von Schriftenmalern per Hand oder von Dekordruckern aufgebracht wurden. Die Patenteller waren mit Blumen, tanzenden Kindern oder anderen Motiven farbig verziert. Auch Glückwünsche waren in Goldschrift eingebrannt. "Die Zukunft strahle froh und klar und bringe Glück und Segen dar", hieß es da oder: "Der Landmann steht in hohen Ehren. Er ist im Staat der erste Mann. Doch kann das Volk er nur ernähren, wenn Gottes Segen er gewann". Sehnsüchtig warteten die Kinder alljährlich auf ihren Paten mit dem Bündel. Zur Konfirmation oder zur Firmung endete der Brauch. Prei.