Ablasshandel für das Seelenheil, zur Vergebung der Sünden und als Almosen für Bedürftige - so konnte man sich bis 1562 "einen Platz im Himmel erkaufen". Für das Kronacher Bürgerspital spielte der Ablasshandel ebenfalls eine tragende Rolle, wie Gästeführerin Rosi Ross erzählte. Am Tag des offenen Denkmals leitete sie eine Sonderführung. "Leider dürfen wir die Innenräume nicht besichtigen, denn es handelt sich derzeit um eine ungesicherte Baustelle", erklärte sie. Doch auch draußen gab es viel zu erzählen, und auch die anschließende Besichtigung der Spitalkirche versöhnte die regenbeschirmten Besucher.

Das erste Krankenhaus der Stadt

Viele Umbrüche habe es gegeben, aber vor allem habe das Spital der Unterbringung alter und armer Bürger gedient, die nicht für ihren Unterhalt sorgen konnten. Im 19. Jahrhundert sei hier sogar das erste Krankenhaus der Stadt errichtet worden. 1875 habe man sogar ein Badezimmer installiert, was wohl eine kleine Sensation in der damaligen Zeit gewesen sei. Mitte des 20. Jahrhunderts habe man das Krankenhaus allerdings wieder geschlossen und dessen Gebäude wieder dem Bürgerspital angegliedert.

Das denkmalgeschützte Gebäude habe eine bewegte Zeit hinter sich. Rosi Ross erzählte von Bränden, Belagerungen, Umbauten, Erweiterungen und Geldnöten. Sie erwähnte Baumeister Johann Dientzenhofer, der 1715 bis 1718 dem Spital das heutige Erscheinungsbild verliehen habe.

Ross: "Ab 1882 haben die Niederbronner Schwestern das Spital geführt, und 2005 übernahm es der Caritasverband. Im März 2014 musste man das Seniorenwohn- und Pflegeheim leider schließen. Neue gesetzliche Bestimmungen verhinderten eine Weiterführung. Im Zuge der Flüchtlingskrise waren hier in den Spitalgebäuden von Mai 2015 bis Dezember 2017 noch mehrere minderjährige Flüchtlinge untergebracht, die ohne Begleitung nach Deutschland gekommen waren."

Wie es mit dem ehemaligen Bürgerspital weitergehen soll, sei momentan noch unklar. Das konnte auch Hauptamtsleiter Stefan Wicklein bestätigen, der auf die Spitalstiftung verwies und auf "finanzielle Altlasten", in die große Mengen an Geld hineingeflossen seien. Noch heute zahle man Kredite aus der letzten großen Sanierung in den achtziger Jahren ab. "Langfristig muss man ja wirtschaftlich arbeiten. Jetzt läuft gerade die neue Machbarkeitsstudie, und wir kümmern uns um neue Fördergeldgeber. Auch die Haustechnik ist ein dickes Brett, das erst einmal gebohrt werden muss. Wir müssen etwa fünf Millionen Euro investieren, um den Komplex wieder instand zu setzen."

Rosi Ross war mittlerweile mit ihren Besuchern in die Spitalkirche gewandert, die sie als "Kirche zum Durchschnaufen" bezeichnete. Diese verfügt auch heute noch über die Verbindungstür zum Spital und habe schon den einstmaligen bedürftigen Bewohnern als Gebetsstätte gedient. "Ein Messbesuch war Pflicht, und es gab viele Regeln, an die man sich halten musste. Da gab es keine Ausnahme, sonst wurde man ganz schnell wieder hinausgeworfen", erläuterte die Gästeführerin.

"Ein großer Betrieb gewesen"

Ein großer Betrieb sei das Spital gewesen, mit vielen Angestellten. "Der Spitalmeister hatte das Sagen, dann gab es Handwerker, Schreiber, Förster, Schweine- und Ziegenhirten, Stadt- und Bauknechte, eine Köchin und Mägde."

Ross verwies aber auch auf die baulichen Besonderheiten, zeigte auf den hölzernen und marmorierten Hochaltar, das spätgotische Chorgebäude und auf "Schätze, die man erst auf den zweiten Blick erkennt". ml