Wiesen — Am diesjährigen Franziskustag trafen sich Bürger aus der Umgebung auf Einladung des Bund Naturschutz und der Bürgerinitiative "Verantwortungsvolle Bürger im Banzgau" am Franziskusmarterl nahe dem Tunneleingang Eierberge der ICE-Neubaustrecke Ebensfeld - Erfurt, um gemeinsam für den Erhalt der Schöpfung zu beten und zu singen.
Anton Reinhardt spielte zur Einstimmung ein Querflötenstück von Kaspar Kummer. Der BN-Kreisvorsitzende erinnerte zu Beginn der Mahnandacht an das "Jahr des Bodens", das die Vereinten Nationen für 2015 ausgerufen haben, und wies in diesem Zusammenhang auf das Ausmaß der Umweltzerstörungen durch die ICE-Trasse hin: "Wir stehen hier an einem bedeutsamen Punkt des VDE Nr. 8.1 (Verkehrsprojekt Deutsche Einheit), wo ein gewaltiges Gewerk dem anderen folgt: Maintalquerung - Tunnel Eierberge - Brücke - Tunnel Kulch - Brücke - Tunnel Lichtenholz - Brücke - ... 22 Tunnel und 29 Talbrücken wurden zwischen Ebensfeld und Erfurt aus dem Boden gestampft. Wenn die Regierenden gemeinsam mit den an den Schalthebeln der Macht stehenden Lobbyisten weiter so mit der nicht vermehrbaren Ressource Boden umgehen, laufen wir Gefahr, im wahrsten Sinne des Wortes den Boden, die Lebensgrundlage für Ernährung und Trinkwasser, unter unseren Füßen zu verlieren!"
Mittlerweile zeige sich immer deutlicher, dass das mit acht Milliarden Euro teuerste Bahnprojekt Europas stark unterfinanziert sei. Reinhardt mahnte: "Statt mit Spitzengeschwindigkeiten durch die Landschaft zu rasen, müsste die dringende Sanierung und Ertüchtigung des gesamten Bahnnetzes in Angriff genommen werden. Der barrierefreie Ausbau der Bahnhöfe, schallgedämpfte Güterzüge und mehr Lärmschutz für die Anwohner, komfortables Reisen, niedrige Fahrpreise, Beseitigung des Tarifwirrwarrs und bessere Vertaktung der Verkehrsträger sind für eine bürgerfreundliche Bahn unverzichtbare Attribute."
Nachdem Klaus Stürmer von der Bürgerinitiative "Verantwortungsvolle Bürger des Banzgaues" den Sonnengesang zu Ehren des Heiligen Franziskus vorgetragen hatte, wurde zum Lobe und Preis der Schöpfung der Kanon "Laudato si" gemeinsam gesungen.
Pfarrer Matthias Hagen von der evangelischen Kirchengemeinde Bad Staffelstein nahm Bezug auf die Losungsworte der "Herrnhuther Brüdergemeinde", einer überkonfessionell-christlichen Glaubensbewegung, und sagte: "Bitten, Beten, Flehen - auch angesichts von Enttäuschung - den manchmal scheinbar schweigenden Gott auch gegen den Augenschein anrufen, das ist etwas, was das unverwechselbare Signum unseres Glaubens ist." red