Christiane Reuther

Am 12. Januar 2011 wurde es mit einer Feierstunde offiziell aus der Taufe gehoben: Damals gründeten 40 Bürger das Bündnis für Familien und Senioren Knetzgau. Bürgermeister Stefan Paulus gehörte zu den Initiatoren und übernahm die Schirmherrschaft für diesen Zusammenschluss. In der Perspektive der Ehrenamtlichen und der Gemeindevertretung standen die Verbesserung der Familien- und Seniorenfreundlichkeit sowie ein generationsübergreifender Dialog im Vordergrund. Die Auswirkungen des demografischen Wandels sollten abgeschwächt und der Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft gestärkt werden.

"Stets ist das Bündnis gewachsen, hat flexibel auf Veränderungen reagiert und sich stetig weiterentwickelt", kommentiert Thomas Zettelmeier, seit September 2012 Koordinator des Bündnisses. Dies sei aus seiner Sicht auch das Erfolgsrezept des Bürgerdienstes. Sein Wunsch ist es, dass sich möglichst viele Bürger von der Vision anstecken lassen, sich im Gemeindebereich einzubringen: "Die Bürger haben es selbst in der Hand, ihre Dorfgemeinschaft lebenswert zu gestalten."

Projekte mit Herzblut umgesetzt

Es kamen neue Ideen und Arbeitskreise dazu, andere Ideen wurden erfolgreich umgesetzt und die Arbeitskreise aufgelöst. Vor der Pandemie gab es jährlich über 450 Angebote. Eine Vielzahl von Ehrenamtlichen hat dafür viele Stunden ihrer Freizeit eingebracht. Mit Herzblut haben diese ihre Ideen umgesetzt und sich für ihre Mitbürger eingesetzt. All dies ist laut Zettelmeier nur möglich, weil die Gemeinde Knetzgau die Möglichkeit geschaffen hat, dass Bürger sich auf kommunaler Ebene in ihrer Gemeinde einbringen und diese mitgestalten können.

Hatten sich beim ersten Planungstreffen spontan drei Arbeitskreise - "Ehrenamtsbörse", "Treffpunkt für Jung und Alt" und "Veranstaltungen für Familien" - gebildet, sollten weitere Arbeitskreise folgen. Engagierte Bürger teilten damals der Gemeindeverwaltung mit, dass sie sich gerne für eine positive Entwicklung innerhalb der Gemeinde Knetzgau einsetzen möchten.

"Das ist im kommunalen Bereich einzigartig im gesamten Landkreis Haßberge und darüber hinaus und verdient höchsten Respekt vor der Weitsicht der Gemeinderatsmitglieder", sagt Zettelmeier. Ein großer Dank gilt seiner Meinung nach der Gemeinde Knetzgau, die das Bündnis für Familien und Senioren so tatkräftig unterstütze und auch notwendige personelle, materielle und finanzielle Ressourcen bereitstelle. Auch heute, nach zehn Jahren, erhalte das Bündnis Unterstützung, damit sich die vielen Ehrenamtlichen auf ihr Engagement konzentrieren und bestmöglich zum Wohle der Gemeinde Knetzgau einbringen können.

"Als Vorbild angesehen"

"Ich hoffe, dass wir sehr bald die Angebote und Veranstaltungen unseres Bündnisses wieder anbieten können", erklärt Zettelmeier. Er freue sich auf die Treffen, den Austausch und die Gemeinschaft mit vielen Bürgern, die momentan wegen der Pandemie ausgesetzt sind.

"Das Knetzgauer Bündnis ist weit über die Landkreisgrenze hinaus als Vorbild angesehen", zeigt sich Bürgermeister Stefan Paulus stolz. Vor zehn Jahren hätte er nicht gedacht, dass sich das Bündnis so gut etablieren werde. Eines der Vorzeigeprojekte ist der "Offene Treff" in Westheim. "Defizite abzustellen hat jeder selbst in der Hand", sagt Paulus. Die Gemeinde habe jedenfalls immer ein offenes Ohr für Eigeninitiative.

Einer der ersten Erfolge des Bündnisses war der Besuch vom bayerischen Innenminister Joachim Hermann, der Ende 2011 im Rathaus von Knetzgau weilte. Angetan vom bürgerschaftlichen Engagement öffnete der Besuch des Ministers die Tür für die Städtebauförderung.

Bündnis ist auch ein Ideengeber

Zum fünfjährigen Bestehen kam der damalige Regierungspräsident Paul Beinhofer im März 2016 ins Rathaus. Aber auch die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey zeigte sich bei ihrem Besuch im Juli 2019 angetan vom bürgerschaftlichen Engagement.

In die Erfolgsgeschichte des Bündnisses reiht sich die Gründung des Freundeskreises Asyl. Es wurde zudem ein Männertreff ins Leben gerufen und ein Bürger-Café im Alten Rathaus in Knetzgau eingerichtet. Außerdem gibt es einen Computerkurs, einen Offenen Treff "Altes Rathaus", einen "Sträkel-Kreis" (Stricken und Häkeln), verschiedene Veranstaltungen und den Bürgerbus unter dem Dach des Bündnisses.

Zusätzlich fungiert das Bündnis auch als Ideengeber. Bei einem Bürgerforum des Bündnisses entstand das Projekt "Mitfahrbänke" zur Verbesserung der Mobilität, das bereits 2019 umgesetzt wurde, und die Idee zum "Skate- und Bikepark", der in der ersten Jahreshälfte 2021 errichtet wird.

Ebenfalls für dieses Jahr ist die altersgerechte Umgestaltung einiger Räume im Obergeschoss im Alten Rathaus geplant, um einen "Generationen-Treff" zu installieren. Das Angebot richtet sich an Familien mit Kindern.

Von der "Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt" kam noch vor Weihnachten eine Zusage für die Anschaffung von 20 Tablets. Die Geräte stehen künftig dem Computerkurs zur Verfügung, ermöglichen vorher aber noch intern die Kommunikation während des Lockdowns, damit weiterhin viele neue Ideen des Bündnisses entstehen.