Es soll im September vergangenen Jahres bis dahin angeblich ein faires, harmonisches Fußballspiel zwischen zwei Kreisligamannschaften aus dem Landkreis Kronach gewesen sein. Doch in der 89. Minute, kurz vor dem Abpfiff, nahm das Match eine unerwartete Wende: Die Akteure und die Zuschauer erlebten auf dem Feld ein seltenes, aber brutales Spektakel. "So etwas gehört nicht auf das Spielfeld, das ist strafrechtlich relevant", urteilte am Donnerstag der Strafrichter des Amtsgerichts Kronach, Christoph Lehmann.

Der Angeklagte, ein ehemaliger Torhüter aus dem Landkreis Kronach, muss nun eine Geldstrafe von 4550 Euro an die Staatskasse bezahlen. Die Geldstrafe, 130 Tagessätze zu 35 Euro, erhielt der 46-jährige Unruhestifter wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung an zwei Gegenspielern. 1000 Euro Schmerzensgeld muss der Verurteilte außerdem an einen Geschädigten zahlen.

Ein Geständnis in letzter Minute und die Einsicht seines einstigen Fehlverhaltens bewahrten den Angeklagten vor einer möglichen Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Der Angeklagte hatte damals in letzter Minute ein Foul des Gegners vermutet und sich zu Übergriffen auf zwei Gegenspieler hinreißen lassen: Einer wurde von ihm gewürgt, der andere bekam einen Faustschlag und Tritte gegen den Kopf verpasst.

Gegenspieler im Genick gepackt

Ausführlich schilderte der Angeklagte zu Prozessbeginn den damaligen Verlauf des Spieles aus seiner Sicht. So habe sein Verein zuerst mit 3:4 Toren zurückgelegen, dann aber auf 4:4 aufgeholt. Die gegnerische Mannschaft habe mit ständigen Fouls "geglänzt", der Schiedsrichter nicht eingegriffen. In der 89. Minute habe sich das Blatt gewendet: "Wir waren am Drücker zu gewinnen."

Als er dann den Torschuss eines gegnerischen Spielers abwehren wollte, sei dieser ihm absichtlich zwischen die Beine gerutscht, obwohl er den Ball sicher gehabt hätte. Der Gegenspieler habe ihn dabei am Bein verletzt, zu Boden gebracht und beleidigt, indem er geschrien habe: "Steh'auf, du Wichser, du hast doch nichts."

Schließlich habe er ihn im Genick gepackt und aus dem Strafraum gebracht. "Ich habe ihn rausgeschubst. Die Situation war für mich geklärt." Als er dann den vom Schiedsrichter gegebenen Freistoß ausführen wollte, sei der Spielführer der gegnerischen Mannschaft auf ihn zugestürmt. "Er hat versucht, auf mich einzuschlagen, er hat theatralisch geschrien!" Der Kapitän habe dann von hinten auf ihn eingeschlagen. Auch andere gegnerische Spieler hätten sich auf ihn geworfen. Dann habe der Schiedsrichter ihm die Rote Karte gezeigt, das Spiel sei abgebrochen worden.

Verletzungen wurden attestiert

Der Richter fragte: "Packt man einen Gegenspieler am Hals? Das darf das nicht passieren."

Lehmann stellte auch fest, dass später vor allem bei den Angegriffenen Verletzungen attestiert worden seien und kaum beim Angeklagten selbst.

Der damals gewürgte 26-jähriger Spieler gab zu, dass er bei der Ballabwehr vor dem Tor gegen die Beine des Angeklagten gerutscht sei. "Für mich war die Sache dann erledigt." Der Torhüter habe ihn jedoch am Hals gepackt, zugedrückt und ihn gewürgt. "Mir war schwindelig und schwarz vor Augen." Unter Schock habe er das Spielfeld verlassen. Von dort aus habe er dann eine Rudelbildung beider Parteien und das Tohuwabohu auf dem Feld mitbekommen. Auch habe er gesehen, wie der liegende Spielführer seiner Mannschaft dreimal von dem Angeklagten gegen den Kopf getreten wurde.

Er habe gesehen, wie sein Mitspieler gewürgt wurde, erklärte der 27-jährige zweite Geschädigte und Spielführer. Nach dem Geschehen auf dem Feld habe er den Torhüter zur Rede stellen wollen. "Es war wie im Fernsehen, ich wollte nur schlichten." Auf seine Fragen habe er keine Antwort, sondern einen Faustschlag vom Angeklagten bekommen. Als er am Boden lag, habe dieser noch mehrmals auf ihn eingetreten. Seine Mitspieler hätten den Angreifer dann weggezogen.

Anfänglich habe er noch gedacht, der angeklagte Torhüter flüstere dem Gewürgten etwas ins Ohr, sagte der damalige Schiedsrichter als Zeuge. Er bestätigte, dass er diesem vor den weiteren Angriffen noch den Freistoß zugebilligt habe. Nach der zweiten Szene habe dieser jedoch den Platzverweis erhalten. Etwa 100 Zuschauer hätten das damalige Spektakel auf dem Spielfeld mitverfolgt.

"Lebensgefährliche Angriffe"

"Die Beweislage ist für den Angeklagten erdrückend", erklärte der Richter. Nach einem Rechtsgespräch zwischen den Prozessbeteiligten und dem Nebenklägervertreter einigte man sich auf das spätere Ergebnis, unter der Bedingung, dass der Angeklagte noch ein reuiges Geständnis ablegen würde.

"Auf dem Fußballplatz sollte man seine Emotionen im Griff haben", riet Staatsanwalt Frank Dietze dem Angeklagten.

Verteidiger Josef Geiger glaubte, dass die Stimmung damals aufgeheizt gewesen sei. Körperverletzungen seien jedoch nicht gerechtfertigt. Das Spiel habe für Aufsehen weit über die Landkreisgrenzen hinaus gesorgt.

Der Angeklagte habe in seinem Aussageverhalten im letzten Moment im Gerichtssaal einen Wandel zu seinen Gunsten vollzogen, erklärte der Richter im Urteil. Seine Angriffe auf die Mitspieler hätten lebensgefährliche Ausmaße gehabt.