Philipp Bauernschubert

Thundorf — Vor mehr als 70 Jahren wurde in Thundorf der erste Brunnen gebaut. Das geht aus den Niederschriften des 1916 verstorbenen Altbürgermeisters Felix Braun zurück, der sich intensiv mit der Geschichte des Ortes befasst hat. Demzufolge wurde erstmals 1910 dieses Thema im Gemeinderat behandelt. 1914 entschied der Gemeinderat, dass sich die Gemeinde Thundorf an die Wasserleitung Maßbach anschließt. Doch dann kam der Erste Weltkrieg, und die Ausführung ruhte bis Ende des Zweiten Weltkrieges.

Felix Braun war zwölf Jahre alt, als im März 1947 in Thundorf eine Typhusepidemie ausbrach und die Fachbehörden keinen Aufschub des Wasserleitungsbaus mehr duldeten. Der Bau verzögerte sich jedoch abermals durch die Währungsreform 1948. "1949 waren die Planungen soweit gediehen, dass vor 70 Jahren, 1950 der Bau erfolgen konnte."

Als Bohrpunkt war eine Stelle rund 150 Meter westlich vom heutigen Brunnen I vorgesehen. "Ich weiß noch, wie die Firma Edelmann aus Eltingshausen mit dem Bohrgerät anrückte. Aber da war noch der damalige Bürgermeister Eugen Weisensee, ein guter Wünschelrutengänger. Er veranlasste, dass der Bohrpunkt näher zum Dorf festgelegt wurde. Diese Verlegung war erfolgreich, denn in 55 Meter Tiefe wurde man fündig. "Dieser Brunnen stellt mit seiner 30 Liter/sek. ein Phänomen dar, das in unserer Bodenformation sehr selten anzutreffen ist", so Braun. "Mit dieser ergiebigen Schüttung könnten 37 500 Einwohner versorgt werden.

Das Wasser, so die Nachforschungen von Felix Braun, kommt aus dem Gebiet Langeloh/Weichtungen und wird durch eine Gesteinsart, dem so genannten Grenzdolomit, dorthin geleitet.

Der damalige Hochbehälter wurde auf die höchste Erhebung in Thundorf hinter dem Friedhof errichtet und 2002 erneuert. "Sämtliche Rohrtrassen im Dorf wurden damals in Handarbeit gegraben, wobei wir Kinder auch mit eingespannt waren."

In den achtziger Jahren wurde die Trinkwasserverordnung neu aufgelegt und die Obergrenze für Nitrat wurde durch eine EG Verordnung auf 50 mg/Liter festgesetzt. Die Tage des Brunnens waren gezählt.

"Nach mehreren Pegelbohrungen wurde man fündig im Gebiet Müncherloch. Man bohrte den ersten Pegel auf 101 Meter und bei einer Abpumptiefe von 80 Metern erreichte man im Pumpversuch fünf Liter/sek bei einer Absenkung von 38 Metern. Dieses Wasser war zwar auch ein hartes Wasser, der Nitratgehalt lag aber unter 20 mg/Liter. Dieser Pegel wurde dann ausgebaut, ging 1995 ans Netz und versorgt seitdem Thundorf mit Trinkwasser.