Leserbrief zum Artikel "Rennpferde und Boten des Eheglücks" über zwei
Brieftaubenzüchter im Untermerzbacher Gemeindeteil Memmelsdorf in der Ausgabe vom 26. Dezember :

Mit Interesse habe ich Ihren Artikel über die erfolgreichen Brieftaubenzüchter gelesen. Allerdings sehe ich diesen Sport als sehr kritisch an, denn ein unter Tierschützern besonders umstrittenes Verfahren, die Tauben zu einer möglichst schnellen Rückkehr zum Heimatschlag zu bewegen, ist die Witwenschaft.
Tauben sind monogam, das heißt sie leben zeitlebens mit demselben Partner zusammen. Trennt man die Tiere voneinander, werden sie ihre ganze Kraft darauf ausrichten, möglichst schnell wieder beisammen zu sein.
Diese natürliche Verhaltensweise nutzen viele Brieftaubenzüchter aus, indem sie die Partner für die Dauer der Flugsaison getrennt halten.

Mit der Eifersuchtsmethode

Einige Züchter bedienen sich auch der Eifersuchtsmethode. Der Täuberich wird in einen Kasten mit Guckloch gesteckt. In den benachbarten Käfig der Taube lässt man einen fremden Täuberich herein, der unverzüglich bestrebt ist, mit der Taube zu kopulieren.
Diese Szene versetzt den regulären Partner der Taube in eine solche Eifersucht, dass er alles versuchen wird, auch wenn er Hunderte von Kilometern entfernt aufgelassen wird, den Nebenbuhler zu vertreiben.

Richter über Leben und Tod

Nachdem es der Wunsch eines jeden Brieftaubenzüchters ist, leistungsfähige Reisetauben zu besitzen, spielen sich die Brieftaubenzüchter zum Richter über Leben und Tod, denn: Leistungsschwache Tiere, die mit großer Verspätung den Heimatschlag erreichen, sind im Wiederholungsfalle dem Tod geweiht.
Nicht selten werden solche Tiere schon sehr früh vom Züchter selektiert, das heißt getötet, da sie unnütze Fresser sind. Gezüchtet wird nur mit Athleten, die wenigstens 40 bis 50 Prozent der Wettflüge erfolgreich bestritten haben.
Auf die übrigen Tauben wartet der Tod. Dabei können Tauben mehr als 25 Jahre alt werden.

Ulrich Jaeger
Fürth