Roland Schönmüller Am 4. Dezember ist der Gedenktag der heiligen Barbara. Als Patronin der Bergleute und anderer Handwerksberufe gehört sie zu den 14 Nothelfern. Vor allem bei Gewittern und bei sich anbahnenden Unglücken wurde sie besonders angerufen und um Beistand gebeten.

Das Erkennungszeichen der bekannten Märtyrerin ist in der bildenden Kunst und in Kirchenkunstwerken ihr einstiges Domizil, der dreifenstrige Turm als Hinweis auf ihren standhaften Glauben. Palme, Kelch und Hostie sind weitere Attribute. Lucas Cranach d.Ä. malte die Szene, wie Barbara in einem Turm von Jesus Christus gekrönt wurde. Die drei Fenster im Turm verweisen auf die Trinität, auf die Heilige Dreifaltigkeit, die vier Kreuzzeichen auf wesentliche Wundmale Christi.

Nach der Flucht aus dem Turm findet Barbara wunderbarerweise ein Versteck in einem sich öffnenden Felsen. Im Spätmittelalter wird sie so Schutzheilige des Bergbaus und der Bergknappen.

Lauwarmes Wasser

Nach altem Brauch werden am Namenstag der heiligen Barbara Zweige ins Haus geholt und in lauwarmes Wasser gestellt. In der Wärme der Wohnung schwellen die Knospen an, entfalten sich und treiben bis zum Weihnachtsfest frische grüne Blätter und frühlingshafte bunte Blüten.

Geeignet sind vor allem Kirschzweige und alle weiteren knospenreichen Gewächse: beispielsweise vom Forsythienstrauch, aber auch Weichsel-, Apfel-, Birnen-, Zwetschgen-, Pflaumen-, Flieder-, Lindenästchen.

Gerne nimmt man auch Zweige von Haselnussbüschen und Mandelbäumchen, von Jasmin, Weidenkätzchen und Rosskastanien mit ihren Blütenknospen.

Die Blüten und das Grün sind eine Erinnerung an die alttestamentliche Stelle in der Bibel, in der darauf hingewiesen wird, dass Jesu aus dem Spross der Wurzel Jesse stammen soll.

Einst beobachtete man die blühenden Zweige und deutete die Anzahl der Blüten und Blätter an ihnen als Orakel für Verliebte, Heiratswillige und kinderwünschende Frauen.

Wenn die Knospen dann tatsächlich aufsprangen, wurde das als Zeichen einer anrückenden Hochzeit oder einer anderen frohen Nachricht gedeutet.

Heute erfreut man sich auch - ohne an die Vorhersagekraft der Zweige zu glauben - einfach an dem erfrischenden, frühlingshaften Zimmerschmuck oder an der vitalen Fenster-Dekoration in der kalten Winterzeit.

Noch bis 2019 (vor dem Corona-Jahr) gab es vorweihnachtliche Feiern bei den Bergleuten zu Ehren der heiligen Barbara.

Zum Kirchgang spielte manche Bergmannskapelle in Knappentracht und die Frauen trugen Barbarazweige, die während der Messe geweiht wurden.

Der 4. Dezember war schon vor der Einführung des Christentums ein besonderer Tag: Frau Holle, Holda, Bertha, Perchta & Co. ließen sich als verzauberte Gestalten am Vorabend blicken und jagten so manchem Menschen Furcht ein. In Oberfranken gab es mancherorts noch bis vor wenigen Jahren die " Bärberli", mit Stofffetzen verkleidete Burschen, die junge Mädchen, die bei Eintritt der Dunkelheit noch nicht zu Hause waren, nicht immer zärtlich zum Heimgehen aufforderten.

Alte Bauernregel sehen orakelhafte Zusammenhänge mit künftigen Zeiten: "Geht Barbara im Grünen, kommt's Christkind im Schnee!" oder "Gibt Sankt Barbara Regen, bringt der Sommer wenig Segen!"

Legende

Die Legende besagt, dass Barbara in der Türkei als Tochter vornehmer Eltern geboren wurde. Der nichtchristliche Vater sperrte die Schöne in einen Turm ein, weil er das kontaktfreudige Mädchen vor fremdem Einfluss fernhalten wollte. Barbara wurde dennoch Christin, später gefoltert und im Jahr 306 enthauptet.

Seit dem 14. Jahrhundert gehört Barbara zu den beliebtesten und am häufigsten dargestellten Heiligen. Barbara ist auch einer der populärsten Mädchennamen.

Seit dem 15. Jahrhundert wurde die Märtyrerin der Gruppe der 14 Nothelfer zugeordnet.