Diesmal spielte sogar der Wettergott mit. Georg Schroeter und Marc Breitfelder, die ersten aus Europa stammenden Weltmeister im Blues in der Kategorie Einzel und Duo, waren am Dienstagabend ein weiteres Mal auf der Seebühne zu Gast. Georg Schroeter konnte sich noch gut an das Konzert im letzten Jahr erinnern. "Es war eine intime Konzertatmosphäre." Da es sehr viel regnete, durften die Besucher mit auf die überdachte Seebühne!


Bodenständiger Humor

Am Dienstagabend störte kein Regen das gut zweistündige Konzert, das unter dem Motto "Blues & Boogie & KUH-le Poesie" stand. Die "KUH-le Poesie" steuerte der mit den Musikern befreundete Matthias Stührwoldt aus Stolpe bei. Die ungewöhnlichen, von feinem bodenständigen Humor geprägten Kurzgeschichten des dichtenden Bauern wurden zwischen den Songs von Jan Burdinski, dem Intendanten des Fränkischen Theatersommers, verlesen. Die von Burdinski gestellte Frage, weshalb ausgerechnet im kühlen Norden der Blues so gut gedeiht, konnte nicht wirklich geklärt werden. Dafür war von Schroeter einiges über die Landschaft in Schleswig Holstein zu erfahren. So soll es in der ostholsteinischen Schweiz sogar einen Berg geben, den 168 Meter hohen Bungsberg, Deutschlands nördlichstes "Wintersportgebiet" mit Schlepplift und Schneekanone.
Den beiden international bekannten Bluesgrößen, die tatkräftig von dem Schlagzeuger Achim Erz aus Hamburg unterstützt wurden, gelang es ziemlich schnell, ihr Publikum zu begeistern. Zwar trennte diesmal der Wassergraben die Musiker von ihren Zuhörern. Eine Distanz, die nicht wirklich störte. Im Gegenteil, die ungewohnten Klänge der Weltklassemusiker lockten auch nach Beginn der Veranstaltung noch weitere Zuhörer in den Kurpark.


Beeindruckende Soli

Schon nach den ersten Takten überzeugte das enorme Klangspektrum der drei Musiker, beeindruckten ihre immer wieder eingestreuten Soli. Wie von Schroeter zu erfahren war, ist "Rockin' USA" 2011 während einer großen Tournee in den USA entstanden. Ein temperamentvolles Stück, bei dem kaum ein Fuß nicht im Takt mitwippte.
Es sind besondere Klänge und Harmonien, die Marc Breitfelder mittels einer selbst entwickelten Überblastechnik seinen Mundharmonikas entlockt, die man sonst nirgendwo auf der Welt hören kann. Eines seiner Soli erinnerte an eine unter Dampf stehende Lokomotive, die gewaltig an Fahrt gewinnt. Die zischend, schnaufend und stampfend durch den Kurpark donnert, um am Schluss dann in den nächsten Bahnhof einzulaufen. Zu einem weiteren Lied, das vor Jahren entstanden ist, merkte Georg Schroeter an: "Ich kenne niemanden, der auf der Mundharmonika die Stimme einer Frau so gut imitieren kann wie Marc."
Auch das obligatorische Schlagzeugsolo durfte nicht fehlen. Wer meint, dass es auf einem Bauernhof langweilig zugeht, wird von Matthias Stührwoldt eines Besseren belehrt, wie die ausgewählten und von Jan Burdinski vorgetragenen Geschichten und Gedichte zeigten. Wer verliebt Trecker fährt, sollte besser darauf achten, was sich ihm eventuell in dem Weg stellen könnte. Bei Matthias Stührwoldt sind es die Kontrollschächte einer Drainage. Herzerfrischend und poetisch zugleich Stührwoldts Bekenntnis zum Melken. "Melken strukturiert den Tag", heißt es in einem seiner Gedichte.
Marc Breitfelder mit seiner unvergleichlichen Mundharmonika und seine beiden Mitstreitern bescherten dem Staffelsteiner Publikum zusammen mit bester norddeutscher Kleinkunstliteratur einen besonderen Abend, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.