Die Idee: Blühflecke sollen Bereiche mit blühenden Kräutern sein, wo Insekten den ganzen Sommer über Nahrung finden. Geeignete Flächen sind an vielen Stellen vorhanden, als Restflächen zwischen Verkehrswegen und genutzten Grundstücken, als magere Ödland- oder Brachflächen oder als aus der Nutzung genommene Flächen ohne Bindung an Förderprogramme. "Ein gutes Beispiel ist der Obstgarten der Grundschule hier in Kirchehrenbach", so Friedrich Oehme, Initiator des Projekts.
Grundsätzlich soll das Projekt den Bestand an Blühflecken vermehren, das heißt Flächen, die schon geeignet bewachsen sind, stehen nicht so sehr im Fokus. Sie können aber auf Wunsch und bei Bedarf zur Betreuung oder. Erhaltung aufgenommen werden. Sie können als Quellen für sogenannte Heusaat, also die Übertragung von Samen auf verarmte Flächen dienen. "Dabei ist darauf zu achten, dass die Bodeneigenschaften von Spenderfläche und Empfängerfläche ungefähr übereinstimmen", erläutert der Agrarwissenschaftler Axel Schauder, der das Projekt fachlich begleiten wird, "denn es gibt sehr unterschiedliche Bodentypen, auf denen dann entsprechend unterschiedliche Pflanzengesellschaften gedeihen werden."


Die Karnickel des Hausmeisters

Hintergrund: Flächen, auf denen Gras und bunte Kräuter wachsen - auch Blumenwiesen - sind Bestandteile eines von Menschen geprägten Ökosystems, in dem Kreislaufwirtschaft von Wachsen-Entnehmen-Geben-Ruhen geherrscht hat. Durch den Rückgang der lokalen Viehwirtschaft und der Futternachfrage für Kleintierhaltung oder das Streben nach uniformen Grünflächen im privaten und öffentlichen Bereich ist vielerorts der Schritt des Entnehmens von Schnittgut aus dem Ökosystem herausgebrochen. "Vielleicht waren solche Flächen an der Schule früher einmal die Futterquelle für die Karnickel des Hausmeisterehepaars", mutmaßt Oehme. Aber das ist lange vorbei und die praktizierte Methode mit dem Rasenmäher oder im größeren Bereich des Mulchens von Flächen entspricht eher der "Ruhigstellung des Patienten" und hat die Insektenlebensräume verarmen lassen.


Nahrungsplätze verschwunden

Parallel dazu ist der Verlust artenreicher Grünflächen in der Landschaft eingetreten. Nahrungsplätze für Honigbienen und Schmetterlinge sind verschwunden. Es sind negative Auswirkungen auf die Populationen der Vögel, der Fledermäuse und anderer Tiergruppen erkennbar.
Der Bund Naturschutz, Kreisgruppe Forchheim, wird in Kooperation mit dem Landschaftspflegeverband Forchheim und dem Landratsamt die angemeldeten Flächen besuchen, bewerten, katalogisieren und ihre Entwicklung zu Blühflecken begleiten und unterstützen. Landrat Hermann Ulm hat die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen.
In der Realisierung wird ermittelt, welche Pflanzengesellschaften auf der jeweiligen Fläche stabil gedeihen können, wann gemäht werden soll, wie eine gegebenenfalls nötige Aushagerung des Bodens gelingen kann, wer helfen kann, wo Förderung möglich wäre usw. "Häufig entwickelt sich eine Fläche bereits, wenn man sie ungestört aufwachsen lässt", erläutert Schauder.
In diesem Fall soll ein eigens dafür beschafftes Schild den Zweck der Maßnahme ausweisen. Ein Faltblatt mit Informationen für potenzielle Teilnehmer soll ebenfalls erstellt werden. Einschlägige Erfahrungen, welche von anderen Initiativen gewonnen wurden, sollen ins Projekt einfließen. Die Vernetzung mit ähnlichen Initiativen ist beabsichtigt. Der Bund Naturschutz übernimmt die Koordination in seiner Geschäftsstelle in Forchheim. Es wird eine zunächst ehrenamtliche Fachkraft für die Betreuung der Flächen eingesetzt. Erster Ansprechpartner ist Friedrich Oehme, Kreisgeschäftsstelle, Vogelstraße 24, 91301 Forchheim, Telefon 09191/65960, E-Mail: Kreisgruppe@bn-forchheim.de. red