Kommt jetzt der Blues? Viele warten in diesen tristen Tagen darauf, dass er durch den Nebel dringt und durch die Ritzen der Tür ins Haus zieht, wo er sich kalt, nass und grau um die Seelen der Bewohner legt. Die sind vom Irrsinn und Wahnsinn unserer Zeit bereits betäubt - wehrlose Opfer? Fast! Denn noch immer gibt es einen, der sie aus ihrer Erstarrung reißen kann: der Blödsinn. Wenn der Ernst nicht mehr zu ertragen ist, muss der Spaß her.

Ein älterer Herr führte dieser Tage vor einer Metzgerei im fränkischen Kitzingen ein kleines Kabarettstück auf. Er linste durch die große Scheibe in den Laden. Durch den Stoff seiner rot-weißen Maske zählte er laut: "Ens, zwä, drei, vier - 'zifix! Jetzt bleibt ämol stenn!" Hilfesuchend blickte er sich um. Deutete in den Laden, zählte erneut: "Ens, zwä, drei... Heidernei, wo kümmtn jetzt dar do har? Wie söll mer die denn zähln, wenn die sich immerzu beweechn?" Passanten blieben stehen. Einige sprachen dem Senior Mut zu: "Gell, heutzudooch is nix mer efach!", andere lachten ihn einfach an. Oder aus. Oder beides.

Dem Mann war es egal. Auch eine Stunde später kalauerte er noch frohgemut neben dem Schild "Nur 8 Personen im Laden erlaubt!" herum. Auf sein Tun angesprochen, sagte er: "Ich bin Renter, ich hab' Zeit. Die verblödel' ich jetzt. Lachen ist die beste Medizin."

Sie wirkt gegen Corona und November zugleich. Gegen Dinge, die man nicht ändern kann, über die man sich aber trotzdem aufregt - wohl wissend, dass das niemandem nützt, sondern eher noch der eigenen Gesundheit schadet. Inmitten der Stadt, wo Maskenträger und Unmaskierte sonst jeden (Blick- )Kontakt vermeiden, hat der Rentner eine kleine Bühne der Menschlichkeit geschaffen: Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Die AHA-Regel kennt in Franken mittlerweile jedes Kind: Alltagsmaske, Handhygiene, Abstand. Wir sollten noch ein H hinzufügen. H wie Humor. Und dem Herbst-Blues einfach ins Gesicht lachen. HAHA!