Vom 8. bis 10. Januar zählt ganz Deutschland wieder Vögel: Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) und sein bundesweiter Partner Nabu rufen zur Mitmachaktion "Stunde der Wintervögel" auf.

Bayerische Vogelfreunde sind bereits zum 16. Mal dazu aufgefordert, eine Stunde lang die Vögel im Garten oder am Balkon zu beobachten und ihre Wahrnehmungen dem LBV zu melden. "Wer sich die Zeit nimmt, die Vögel vor dem Fenster zu zählen, hilft uns Naturschützern dabei, uns eine detaillierte Momentaufnahme der Vogelwelt in unseren Städten und Dörfern zu verschaffen", erklärt LBV-Vorsitzender Norbert Schäffer. Das Mitmachen sei zudem eine gute Möglichkeit, "um im Lockdown die Natur vor der eigenen Haustür besser kennenzulernen".

Die "Stunde der Wintervögel" ist die größte wissenschaftliche Mitmachaktion Deutschlands. 2020 haben sich an der Aktion allein in Bayern rund 27 000 Menschen beteiligt. Der Haussperling ergatterte den Spitzenplatz als häufigster Wintervogel in den Gärten des Freistaats, Kohlmeise und Feldsperling folgten auf den Plätzen.

Tödliches Bakterium

Die jährliche Wintervogelzählung ist nicht nur ein spannendes Naturerlebnis, sondern liefert den Naturschützern wertvolle Daten über die heimische Vogelwelt. Die Artenschützer konnten anhand der langjährigen Zählung nachweisen, dass die winterlichen Vogelzahlen in den Gärten stark von der Witterung abhängen. "In kalten und schneereichen Wintern kommen deutlich mehr Vögel in die Nähe der Menschen. Die lange Reihe zunehmend milder Winter führte zuletzt zu sinkenden Vogelzahlen in den Gärten", erklärt die Biologin Annika Lange.

"Besondere Aufmerksamkeit gilt in diesem Winter der Blaumeise", sagt Lange. "Im vergangenen Frühjahr war in weiten Teilen Deutschlands eine vom Bakterium Suttonella ornithocola ausgelöste Epidemie aufgetreten, der Tausende Vögel dieser Art zum Opfer fielen."

Bei der "Stunde der Gartenvögel" im Mai meldeten die Teilnehmer auch in Bayern 22 Prozent weniger Blaumeisen als im Vorjahr. Für die LBV-Experten ist es spannend herauszufinden, ob dieser Effekt auch im Winter noch spürbar ist. red