Von der ersten bis zur letzten Minute zeigte sich Helmut Schleich bissig, bunt und natürlich im besonderen Maße bayerisch ehrlich. Mit kritischem Blick nahm sich Helmut Schleich den Politbetrieb sowohl in München und Berlin als auch in Brüssel vor und verstand es, Satire vom Feinsten zu bieten, dabei sowohl spritzig, witzig, messerscharf und auch brillant, als er nach der Pause für gute 20 Minuten in seine Paraderolle als Franz-Josef Strauß schlüpfte.
Weitere Markenzeichen von Helmut Schleich sind seine Wandlungsfähigkeit, sein hintersinniger Humor und seine Boshaftigkeit. Es war ein vergnügliches und anspruchsvolles Programm, das zugleich eine ehrliche Offenbarung von Helmut Schleich war.
Der Franke, den Helmut Schleich zu Beginn auf noch fast dunkler Bühne spielte, ist so einer, der immer aus dem Gefühl heraus handelt, ganz direkt, ganz unverstellt. Danach nahm er den SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel ins Visier ("Ich dachte immer Dick und Doof, das waren früher zwei!") und bedauerte, dass die Besten in der Politik immer jung sterben. Hier verwies er auf Altbundeskanzler Helmut Schmidt und Außenminister Hans-Dietrich Genscher.
Kritisch äußerte er sich auch zum Online-Banking: "Wir machen die Arbeit der Bank und die kassieren dafür." Und in den Arztpraxen ist häufig nur noch ein Roboter am Telefon: "Wenn Sie Privatpatient sind, drücken Sie die 1 und wenn sie Kassenpatient sind, dann legen sie auf!"
Der Münchner Kabarettist räumt mit lieb gewonnen Vorurteilen auf und beschäftigt sich mit gefährlichen Halbwahrheiten und bequemer Ahnungslosigkeit. Schleich serviert ein messerscharfes Politkabarett am Puls der Zeit. Er gewährt pointiert-satirische Einblicke in eine Politik, die den Vertrauensmissbrauch zur Staatsräson erhoben hat. Mit zwei der bekanntesten Charaktere brillierte Helmut Schleich aber besonders: Heinrich von Horchen, der Gesangslehrer von Jopie Heesters, und Franz-Josef Strauß.
Einfach köstlich, wie Schleich den alten Mann im Zylinder sabbern und stammeln lässt - ein schauspielerisches Kabinettstück, bei dem man sich zwingen muss, auch auf die Inhalte zu hören. Denn von Horchen hat etwas zu sagen, sei es über die pseudo-demokratischen Strukturen in der EU oder das Geschäft mit den Kranken und Alten in Deutschland.
Bei Franz-Josef Strauß bekamen nicht nur seine "sogenannten Nachfolger" Stoiber oder Seehofer als "Worthülsenvollernter" ihr Fett weg, sondern auch der "Lumpensammler" und Altbundeskanzler Helmut Kohl. Und auch das weiß-blaue "Mia san Mia" wurde erschüttert, als Übervater Strauß das bayerische Selbstbewusstsein als "verkappten Minderwertigkeitskomplex" auf den Punkt bringt. Hoeneß ist nach Einschätzung von Strauß eher ein Steuerhinterzieher-Azubi und gewundert habe er sich, als es im Bundestag jüngst hieß, die schwarze Null müsse stehen und Verkehrsminister Dobrindt aber sitzen blieb.