Keine Frage, Monsignore Rüdiger Feulner war in seinem Element. Im Wallfahrerhaus Marienweiher erzählte er aus der Zeit, als Walpoten, Zentgrafen und Schultheißen dem Fürstbischof in Bamberg beim Regieren halfen. Zwei kurzweilige Stunden lang bewies er seinen unglaublichen Wissensschatz, begeisterte er konzentriert und trotzdem mit einer lebendigen Leichtigkeit die zahlreichen Besucher.

Unter dem fürstbischöflichen Oberamt Kupferberg waren das Kasten- und Vogteiamt Stadtsteinach sowie die Vogteiämter Marktleugast, Ludwigschorgast, Marktschorgast, Enchenreuth und Wartenfels jahrhundertelang eine administrative Einheit im Steinacher Oberland, die auf das Engste zusammenarbeiteten und bis in die neueste Geschichte hinein eine gemeinsame Entwicklung nahmen. Feulner schlüsselte auf Einladung des Pilgerbüros die dichte Struktur der behördlichen Hierarchien exzellent auf.

Vogteiämter waren Gerichts- und Verwaltungsbehörden des jeweiligen Bamberger Fürstbischofs. Das Oberamt in Kupferberg war in etwa mit einer Bezirksregierung gleichzusetzen, der Ort zog seine Bedeutung aus dem einträglichen Kupfervorkommen seines Bergwerkes.

Feulner erzählte eindrucksvoll, wie so ein Oberamtmann regierte und die Vögte den landesherrlichen Willen in die Tat umsetzten, welcher Beamtenstab ihnen zur Seite stand und wie die Verwaltung und die Gerichtsbarkeit bis in den letzten Winkel des entlegensten Weilers präzise durchorganisiert war. Er ließ keinen "Schultheiß" und keinen "Gemeindeboten" aus und schlug einen Bogen aus der Zeit der Ortsgründungen bis in die neuzeitliche Gebietsreform von 1971 bis 1980. Geradezu liebevoll legte er seine Betrachtung auf jeden einzelnen Ort und arbeitete dabei die jeweiligen Besonderheiten heraus.

Welche Adelsgeschlechter in welcher Zeit aus welchem Grund das Sagen hatten, in welchem Rang sie standen und was die Vergabe des Bayerischen Herzogtums durch Kaiser Heinrich II. mit dem Verschwinden der Schweinfurther Grafen aus der Region zu tun hat, wusste er ebenso spannend zu vermitteln wie auch die Frage, wie ein Fürstbischof seine weltlichen und seine seelsorgerischen Aufgaben unter einen Hut brachte und welche Stäbe von Mitarbeitern ihm halfen, seine geistliche Macht und die weltliche Herrschaft auszuüben. Vieles brachte die Zuhörer zum Staunen. red