Mit einem mehrstimmigen "Jaaa" bekräftigten einige Zuschauer im Publikum spontan Pfarrerin Anne Salzbrenners Worte zur Vernissage des syrischen Malers Eissa Moussa: "Musik verbindet Menschen. Bilder verbinden Menschen. Da braucht es keine Worte." Viele Begegnungen gab es bei der Vernissage, weit über die Kunst hinaus. Herzliche und neugierige Begegnungen.


Auf der Krar gespielt

Moussa hatte mit den anderen Männern aus seiner Unterkunft für Flüchtlinge in Michelau gekocht, vier junge Männer aus Eritrea sangen und spielten auf der Krar, dem "berühmtesten" Instrument in ihrem Land, wie sie erzählten. Interessiert bestaunten und probierten die Besucher das Saiteninstrument. Moussa freut sich, dass trotz der Hitze über 50 Besucher zur Eröffnung kamen, ganz besonders aber über seine Tochter Rahaf, die er in den letzten Jahren kaum gesehen hat. Sie lebt seit einiger Zeit mit ihrem Mann in der Nähe von Amsterdam.
Den Anstoß für die Ausstellung hatte Iris Zech, Moussas Deutschlehrerin, gegeben, die auf seine Arbeiten aufmerksam wurde. Zusammen mit den Aktiven Bürgern, allen voran Josef und Marliese Breunlein, und der evangelisch-lutherischen Kirche Lichtenfels stellte man die Ausstellung auf die Beine.


Einzigartige Einblicke

Diese Ausstellung ist etwas Besonderes, das zeigte schon die Eröffnung. Sie verbindet Menschen, regt den Dialog an. Moussa verarbeitet in den Bildern seine Erinnerungen an Syrien, gute wie schlechte, und gibt damit einzigartige Einblicke. Bürgermeister Andreas Hügerich bedankte sich bei Moussa, stellvertretend auch für viele Neuankömmlinge in der Region: "Sie haben unsere Stadt bereichert mit ihrer Kultur, ihrer Art!" Auch Helmut Fischer, stellvertretender Landrat, sieht in Moussa die Chance für viele Menschen, zu erkennen, welche Fähigkeiten Asylbewerber mitbringen.
Moussa ist sehr produktiv. Er malt meistens an zwei bis drei Bildern gleichzeitig, für ein Bild braucht er etwa eine Woche. Und er malt einige aus dem Gedächtnis, wie zum Beispiel die drei Vogelbilder, die er schon vor einigen Jahren in Katar gemalt hatte. Sein Haus, sein Atelier in Syrien gibt es nicht mehr. Seit 2014 ist er in Deutschland. Die meisten Bilder für die Ausstellung hat er in Michelau gemalt, bis auf zwei Ausnahmen: Zwei der Bilder hatte er in Bulgarien gemalt und sie zusammengerollt auf seiner Reise nach Deutschland mitgenommen. Moussa legt sich nicht auf einen Stil fest. Manche seiner Bilder sind sehr abstrakt, manche eher realistisch. Moussa beherrscht sämtliche Techniken. Von ihm gibt es Kohlezeichnungen, Radierungen, in der Ausstellung werden Bilder gezeigt, die er mit Öl- und Acrylfarben gemalt hat.
Anton Köcheler, selbst Künstler und ehemaliger Kunstlehrer, gibt mit seiner Einschätzung der Bilder neue Perspektiven frei. Moussas Werke ließen sich in drei Gruppen einteilen: die geometrisch-abstrakten Bilder, Bilder mit Menschen als Hauptmotiv und die Naturdarstellungen. Moussa selbst sagt, er bevorzugt warme, kräftige Farben. Nur für Bilder, die von der Zerstörung und Verzweiflung erzählen, wählt er kühles Dunkelblau.


Wunsch nach Frieden

Doch Moussas Bilder sind auch positive Erinnerungen und enthalten einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft, gerade bei den Naturbildern. "Die Naturdarstellungen sind Selbstbestätigung, bringen aber auch den Wunsch nach Frieden, Sicherheit und Hoffnung auf eine glückliche Lebensperspektive zum Ausdruck." Oder wie Moussa es selbst mit Blick auf seine Blumenbilder ausdrückt: "Future ist good."
Und in Zukunft kann er sich auch durchaus vorstellen, mehr von seiner neuen Umgebung zu malen, in der er jetzt lebt.