In allen Teilen Bayerns wächst die Zahl der überschuldeten Personen zwischen 2012 und 2016 zum Teil zweistellig an. Dies ergab eine Antwort des Sozialministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der SPD-Landtagsfraktion. Besonders hoch war der Anstieg in Mittelfranken (plus 12,4 Prozent), Oberbayern (plus 9,4 Prozent) und in der Oberpfalz (plus 8,8 Prozent). In Niederbayern (plus 6,7 Prozent), Schwaben (plus 6,5 Prozent), Unterfranken (plus 4,5 Prozent) fällt der Anstieg moderater aus.
In Oberfranken hat sich die Zahl der überschuldeten Personen seit 2012 kaum verändert (plus 0,7 Prozent). In Coburg Stadt und Land haben sich die Daten sogar verbessert. Die Schuldnerquote in der Stadt Coburg lag im Jahr 2016 bei 9,30 Prozent (2012: 9,89 Prozent). Im Landkreis Coburg betrug sie 2016 7,73 Prozent (2012: 7,92 Prozent). Die Schuldnerquote in Bayern stieg von 2012 von 7,0 Prozent auf 7,4 Prozent in 2016 an, womit Bayern trotz des Anstiegs besser da steht als die anderen Bundesländer. In der Stadt Coburg gab es im Jahr 2016 insgesamt 3288 überschuldete Personen (2012: 3453). Im Landkreis Coburg waren im letzten Jahr 5651 (2012: 5820) überschuldet.
Im Jahr 2016 waren in Bayern 789 145 Personen überschuldet. Das sind 7,9 Prozent mehr als noch vier Jahre zuvor. Susann Biedefeld fordert eine Reform der Schuldner- und Insolvenzberatung im Freistaat. "Die Zahlen zeigen auf, dass trotz Wirtschaftsbooms in Bayern mitnichten alle Menschen ihre Existenz auf der Vorstufe zum Paradies bestreiten", stellt die SPD-Landtagsabgeordnete in einer Pressemitteilung fest.
In 18 bayerischen Landkreisen und der kreisfreien Stadt Schweinfurt finden überschuldete Personen derzeit keine Anlaufstelle für Schuldner- und Insolvenzberatung. Im Coburger Raum sind glücklicherweise Anlaufstellen vorhanden. Überall in Bayern müssen überschuldete Personen nach Angaben des Sozialministeriums bis zu drei Monate auf eine Beratung warten. Susann Biedefeld fordert daher: "Wir brauchen endlich flächendeckend eine zuverlässige Beratung für überschuldete Personen."


Biedefeld will Neuorganisation

Biedefeld will eine zügige Zusammenlegung der Schuldner- und Insolvenzberatung in Bayern. Bis heute liegen diese anders als in fast allen anderen Bundesländern in den unterschiedlichen Zuständigkeiten von Kommunen (Schuldnerberatung) und Freistaat (Insolvenzberatung). "Seit Jahren ist sich der Landtag einig, dass Schuldner- und Insolvenzberatung sinnvollerweise zusammengelegt werden, aber die Staatsregierung handelt nicht", kritisiert die SPD-Landtagsabgeordnete die stockende Umsetzung.


Kein konkreter Zeitplan

In ihrem Antwortschreiben an die SPD-Abgeordneten kündigt Sozialministerin Emilia Müller (CSU) an, der notwendige Gesetzentwurf sei mittlerweile in der Ressortabstimmung. Sie schreibt, ein konkreter Zeitplan zur Umsetzung liege nicht vor. Bei einer Verantwortungsübertragung auf die Kommunen würden etwa acht Millionen jährliche Zusatzkosten auf den Freistaat zukommen. red