von unserem Mitarbeiter Peter Groscurth

Bamberg/Forchheim — Wird der des Missbrauchs und Vergewaltigung angeklagte frühere Chefarzt des Bamberger Klinikums unter Druck gesetzt, wie er es wohl selbst empfindet?
Am Ende eines Prozesstages deutete Heinz W. (49) in dieser Woche an, dass er auf Drängen der Regierung von Oberfranken seine Approbation als Arzt zurückgeben musste. Der Mediziner beklagte, dass er Opfer öffentlicher Vorverurteilung sei.

Zurückhaltende Äußerung

Doch was sagt die Regierung von Oberfranken zu diesen Vorwürfen? Pressesprecher Oliver Hempfling erklärt: "Da es sich um eine Personalangelegenheit handelt, sind wir gehalten, uns nur sehr zurückhaltend zu äußern.
Im Hinblick darauf, dass der Betroffene die Thematik selbst angesprochen hat, weisen wir aber darauf hin, dass die Approbationsurkunde nicht zurückgegeben wurde."
Vielmehr sei gegenüber dem betroffenen Arzt mit Bescheid vom 8. Oktober 2014 das Ruhen der Approbation verfügt worden, fügt Hempfling an. Gegen diesen Bescheid wurde nicht vorgegangen. Er sei daher bestandskräftig, heißt es weiter.
Über einen Approbationsentzug werde erst entschieden, wenn das Strafverfahren rechtskräftig beendet ist. Das liege allerdings dann in den Händen der Regierung von Unterfranken, auf die die Zuständigkeit zum 1. Januar übergegangen ist.

Seit 20. August 2014 in Haft

Die Staatsanwaltschaft wirft dem angeklagten Mediziner unter anderem Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und gefährliche Körperverletzung vor. Er soll Patientinnen ruhiggestellt und sich an ihnen vergangen haben. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Heinz W. dagegen beteuert, aus rein medizinischen Gründen gehandelt zu haben. Sexuelle Motive weist er zurück.
Weiter offen bleibt, ob seinem Antrag auf Haftprüfung von Richter Manfred Schmidt stattgegeben wird. Die Verteidigung hatte die Entlassung des ehemaligen Chefarztes aus der Untersuchungshaft beantragt.

Ablehnung deute sich an

In einem Schreiben an den Vorsitzenden Richter hatte zuvor der Onkel des Angeklagten versichert, dass sich sein Neffe dem Verfahren weiter stellen werde, da er seine Unschuld beweisen wolle. Nun arbeitet die Staatsanwaltschaft an einer Stellungnahme, deutete allerdings schon die Ablehnung an.
Wann über den Antrag der Verteidigung entschieden werden könne, sei aber auch derzeit nicht absehbar, so Gerichtssprecher Leander Brößler. Heinz W. sitzt seit 20. August vergangenen Jahres in der Bamberger Justizvollzugsanstalt.