von unserem Mitarbeiter Dieter Gropp

Mailach — Ein Leben lang gearbeitet, ein interessantes Hobby, tägliches Informieren durch Zeitung und Fernsehen und im Alter viel Bewegung - das ist das Geheimnis des hohen Alters von Willi Hertlein aus Mailach bei Lonnerstadt.
Der Jubilar feierte am gestrigen Mittwoch im engsten Familienkreis seinen 90. Geburtstag. Zur Feier waren der stellvertretende Landrat Christian Pech und der Mailacher Bürgermeister Johann Höps gekommen.
Willi ist in Mailach als Sohn eines Schmiede-Meisters geboren worden und dort gemeinsam mit drei Geschwistern aufgewachsen. Nach dem Besuch der Volksschule erlernte er bei seinem Vater in Mailach das Schmiede-Handwerk.
Mit 17 Jahren wurde er zunächst zum Arbeitsdienst einberufen, dann in der faschistischen Wehrmacht zum Fallschirmjäger ausgebildet und geriet kurz vor Kriegsende in amerikanische Kriegsgefangenschaft.


Rückkehr am 20. Geburtstag

Die schrecklichen Erlebnisse, die Hertlein an einer der Fronten des Zweiten Weltkrieges, in Italien, hatte, bestimmten sein Leben nachhaltig. Aus der fünf-monatigen amerikanischen Gefangenschaft kehrte er auf den Tag genau an seinem 20. Geburtstag zurück und baute sich eine eigene kleine Landwirtschaft auf. Im Frühjahr und Sommer kümmerte er sich darum und im Winterhalbjahr ging er nach Nürnberg auf den Bau arbeiten.
1953 übernahm er das Anwesen seines Vaters in Mailach, baute eine neue Scheune und einen Schweinestall. Durch die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft in den 50er und 70er Jahren wurde die Aufrechterhaltung der kleinen landwirtschaftlichen Betriebe immer schwieriger, weshalb der Jubilar bei Schaeffler in Höchstadt die Arbeit als Schweißer aufnahm. Die Landwirtschaft gab er auf. 16 Jahre lang arbeitete er bei Schaeffler, bis er 1985 in Rente ging.
Willi Hertlein lebt heute in dem Haus, das er 1973 baute, glücklich und zufrieden mit seiner Frau Johanna (83). Die Beiden kannten sich schon seit frühester Jugendzeit, da Johannas Vater bei Willis Vater in der Mailacher Schmiede seine Pferde beschlagen ließ. Gefunkt hat es aber zwischen den beiden erst beim Tanzen auf der Kerwa in Boxbrunn. Scherzhaft sagt Willi: "Ich musste auf meine Frau warten, bis sie ins heiratsfähige Alter kam."
Hertleins haben zwei Töchter, Helga und Gerlinde, sechs Enkelkinder und auch sechs Urenkel.
Noch heute fährt Willi selbst Auto, manchmal sogar noch bis nach Erlangen. Sein Motorrad, das er noch bis ins vorige Jahr hinein fuhr, wird heute von seinem Enkel Patrik gepflegt und bewegt.
Willi Hertlein war leidenschaftlicher "Brieftauben- Rückerer" (Züchter), liebt heute noch den Wald über alles und geht täglich im Mailacher Wiesengrund spazieren. Seine Lebens-Maxime lauten: Arbeit, mäßiger Lebenswandel, täglich ein "Prechtl-Bierchen", vielleicht auch einmal ein kleines Schnäpschen und immer viel Bewegung. Trotz zweier überstandener Herzinfarkte fühlt er sich wohl und ist mit seiner Gesundheit zufrieden.