von unserer Mitarbeiterin Katja Nauer

Coburg — "Ich hatte mit den Machenschaften meines Lebensgefährten nichts zu tun", beteuert die Angeklagte. Ihr Angestellter, der zugleich der Lebensgefährte der 54-jährigen gelernten Kellnerin ist, hielt die Fäden in der gemeinsamen Firma in der Hand.
Obgleich er - aufgrund zweier Herzstillstände - eine Berufsunfähigkeitsrente erhielt, war der Betriebswirt und Buchhalter derjenige, der unter anderem für ein Rödentaler Sandwerk allein verantwortlich die Buchhaltung übernahm. Und die hatte es in sich: Sechs Jahre lang wurden in insgesamt 157 Fällen Scheckzahlungen durch Bauunternehmen aus der Stadt und dem Landkreis Coburg in die eigene Tasche gesteckt und nicht an das Sandwerk weitergeleitet. Insgesamt rund 200 000 Euro hat der Forchheimer Chef der Firma dabei verloren, obwohl er die Zahlung per Scheck ausdrücklich ausgenommen habe.
Immer wieder bestreitet die Angeklagte eine Beteiligung an den Machenschaften ihres 65-jährigen Lebensgefährten. So auch bei der Sachbearbeiterin der Polizei, die aufgrund einer Verdachtsanzeige wegen Geldwäsche gegen den Angeklagten ermittelte. Die Angestellte eines Coburger Bauunternehmens allerdings ist der Meinung, in zumindest einem Fall auch die in Schalkau geborene Frau am Telefon gehabt zu haben, als es um die Einräumung von Skonto für eine Scheckzahlung gegangen sei. Als Richter Wolfgang Bauer nachhakt, ob wirklich die Angeklagte am Telefon gewesen sei, räumt die Angestellte ein: "Zu 100 Prozent kann ich es nicht sagen" - meist habe eine Kollegin die Telefonate angenommen.
Der Eigentümer des Sandwerkes habe schon vorher jahrelang Unstimmigkeiten in der Rechnungsstellung bemerkt, erklärt er dem Gericht. Falsche Rechnungen und Beträge habe er aber immer mit einem der beiden Angeklagten klären können. "Irgendwann habe ich jedoch den Überblick verloren." Einmal habe ihn die 54-Jährige mit Erklärungen hingehalten, als er gemerkt habe, dass eine Zahlung schon über vier Wochen fällig gewesen sei. Ihr Lebensgefährte habe dann wiederum etwas anderes behauptet. "Da ging es um einen größeren Posten von mehreren Tausend Euro." Wenn er nachgefragt habe, hieß es, die Rechnungen seien in der Post hängengeblieben oder Zahlungen hätten sich überschnitten. Am Schluss habe sich der Rentner am Telefon verleugnen lassen: "Da war sie dann sein Sprachrohr."

Geld zurückgezahlt

Auf Befragung durch den Anwalt des Angeklagten, Christian Müller, erklärt der Chef der Sandgrube, zur Tilgung des Schadens bereits einen Titel und einen Teilvollstreckungsbescheid gegen den Angeklagten erwirkt zu haben. Aus der Pfändung des Kontos will er bisher allerdings nur eine geringe Summe erhalten haben. Das lässt Müller aufhorchen: "Insgesamt flossen bisher 157 000 Euro aus der Lebensversicherung meines Mandanten. Haken sie da noch einmal nach."
Der 65-jährige Angeklagte zeigt sich reuig: Er habe sich bei dem Forchheimer Unternehmer bereits entschuldigt, erklärt er dem Gericht. Seine Lebensgefährtin habe nichts von seinen Betrügereien gewusst. Staatsanwältin Daniele Möhrlein allerdings ist überzeugt, dass die Angeklagte involviert war. Weil sich die Taten über Jahre hinzogen und es um viel Geld ging, beantragt sie für die Angeklagte eine Strafe von drei Jahren. Für ihren Lebensgefährten, der ein volles Geständnis abgelegt habe, solle ein Strafmaß von zwei Jahren und sechs Monaten gelten.
"Er hat agiert, gemacht, getan und die Leute betrogen, er war der Täter", sagt Anwalt Christian Müller über seinen gesundheitlich schwer angeschlagenen Mandanten, bat aber dessen Strafempfindlichkeit sowie das "vollumfängliche, richtige und wahre Geständnis" zu berücksichtigen. Die Anwältin der Schalkauerin, Stefanie Hollweg, beantragt, ihre Mandantin freizusprechen. "Ein Tatnachweis lässt sich nicht führen", sagt sie.
Am Ende verurteilt das Gericht beide Angeklagte wegen Untreue zu einer Gesamtstrafe von je zwei Jahren zur Bewährung. Dabei wurde berücksichtigt, dass der Schaden zum größten Teil wieder gut gemacht wurde. Der Rentner wird zudem der Urkundenfälschung schuldig gesprochen. "Das Gericht ist nicht davon überzeugt, dass sie nichts gewusst haben", sagte Richter Wolfgang Bauer zur Angeklagten. "Sie waren die Inhaberin der Firma, Sie waren die Lebensgefährtin, Sie haben gewusst, dass diese Geldmengen nicht erwirtschaftbar waren."