VON Katharina Winterhalter

Schweinfurt — Für die beiden Frauen war es ein scheußliches Erlebnis, von dem sich gerade die ältere bis heute nicht erholt hat: Am 1. September um die Mittagszeit betrat ein 43-jähriger Mann ein Juweliergeschäft in der Schweinfurter Innenstadt und zeigte Interesse an Ringen. Weil er kein Deutsch sprach, ging die Inhaberin mit ihm nach draußen und ließ sich im Schaufenster zeigen, was ihn interessierte. Zurück im Geschäft, öffnete sie das Schaufenster von innen und reichte ihm zwei Ringe zur Ansicht. In diesem Moment bewegte sich der Mann blitzschnell auf die Auslage zu und schnappte sich eine Handvoll Goldringe.
Die Inhaberin versuchte noch, ihn am Arm festzuhalten, aber der kräftige Mann riss sich los. In diesem Moment eilte die zweite Frau hinzu, die die Situation beobachtet hatte. Auch sie versuchte, den Mann festzuhalten. Bei der Verhandlung vor dem Schöffengericht des Schweinfurter Amtsgerichts schilderte sie eindringlich, dass er ihr einen Stoß versetzt habe, bevor er flüchtete.

Goldringe für circa 9000 Euro

Die Inhaberin setzte dem Mann nach und rief um Hilfe. Gemeinsam mit zwei Männern trafen sie hinter der Kunsthalle auf den völlig erschöpften Dieb, der ganz offensichtlich nicht mehr weiterlaufen konnte und der Inhaberin die neun Goldringe zurückgab. Den Wert schätzte die Juwelierin auf gut 9000 Euro.
Nicht zuletzt wegen der Aussage der älteren Zeugin ging das Gericht von Raub aus und verurteilte den 43-Jährigen zu einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung. Außerdem muss er 150 Arbeitsstunden ableisten. Der Mann hatte vergeblich versucht, seine Tat in ein besseres Licht zu rücken.
Er sei aus der Ukraine nach Deutschland gekommen, um zu arbeiten. In der Aufnahmestelle in Würzburg habe er per Internet Kontakt mit einem Mann aus Schweinfurt aufgenommen, der ihm einen Job besorgen wollte. Vor dem Treffen habe er Alkohol getrunken und Haschisch geraucht.
In diesem Zustand, so der Mann, sei er in das Geschäft gegangen, um sich Ringe anzusehen und dann sei es einfach so passiert. Warum, wisse er auch nicht. Außerdem, betonte er mehrmals, habe er die zweite Frau nicht gestoßen.
Vor allem die Zeugenaussagen, aber auch der Alkoholtest bei der Polizei, der negativ ausfiel, überzeugten das Gericht von der Schuld des Angeklagten.