Der Tag des Denkmals am 13. September bietet mit der diesjährigen Thematik die Gelegenheit, einen Blick auf die Schneidmühlen des Frankenwalds zu werfen, die jahrhundertelang die wirtschaftliche Entwicklung der Region mitbestimmten. Wenn das Thema "Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken" der Deutschen Stiftung Denkmalschutz anwendbar ist, dann sicherlich auf das inzwischen niedergegangene Gewerbe der wassergetriebenen Schneidmühlen. "Erinnern" ist geboten, um nicht seine Herkunft, seine Geschichte und seine Wurzeln zu verlieren. "Erhalten" ist wichtig, um nicht nur eine geistige sondern auch eine sichtbare Erinnerung zu bewahren. "Neu denken" sollte das, was "Erhalten" geblieben ist, auch in der Gegenwart zum "Erinnern" anregen.

In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts verschwanden die wenigen übrig gebliebenen wasserabhängigen Schneidmühlen aus dem Bild der Frankenwaldorte entlang der Flüsse Rodach, Kronach und Haßlach. Nicht die Nachhaltigkeit sondern die Produktivität war das maßgebende Kriterium im Überlebenskampf. Und da konnten die wassergetriebenen Schneidmühlen (Mühlrad bzw. Turbine) mit den kraftgetriebenen Sägewerken (Strom) im 20. Jahrhundert nicht mehr mithalten.

Nur noch vier Mühlen in 2007

Christine Dorn hat in ihrer Denkschrift "500 Jahre Kastenamtsurbar Kronach" aus dem Jahr 2007 eine wertvolle Publikation zur regionalen Geschichte des Mühlenwesens verfasst. Die Schrift wurde zum 500. Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung der Teichmühle in Steinwiesen vom Mühlenverein Rodachtal herausgegeben. Zum Zeitpunkt des Erscheinens der Broschüre bestanden im Landkreis Kronach nur noch sieben Schneidmühlen, die über ein Mühlrad in mehr oder weniger gutem Zustand verfügten. Tatsächlich in Betrieb waren damals noch die Effelter Mühle (Effelter), die Hammermühle (Wallenfels), die Schneidmühle am Hochofen (Stadtsteinach) und die Teichmühle in Steinwiesen.

Heute muss man feststellen, ist es im Landkreis Kronach nur noch die Teichmühle in Steinwiesen, die aus ihrer musealen Funktion heraus in den Sommermonaten sonntäglich Schneidvorführungen anbietet und die Effelter Mühle, die zum Zwecke der Vorführung ebenfalls ihr Mühlrad bisweilen in Bewegung setzt.

Der Autor dieses Artikels selbst kann sich noch gut an die Schneidmühlen seines früheren Heimatortes Wallenfels erinnern. Insbesondere an die Gemeindemühle in der Angerstraße, in der Schneidmüller Lorenz Köstner seinen Dienst versah. In den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts verging kaum ein Tag, den wir als Kinder nicht mit einem Besuch beim "Lenz" in "seiner Mühle" verbanden. Große Bewunderung wurde dabei dem Schneidmüller entgegengebracht, wenn er mit wenigen Handgriffen das turbinengetriebene Gatter in Bewegung setzte und sich daraufhin die Sägeblätter durch die Blöcher fraßen. Für kleine Hilfsdienste, die unsere Hilfsbereitschaft bekunden sollten, duldete uns der "Lenz" in seinem Reich. So halfen wir beim Wegnehmen der Leisten beim Brettersäumen, beim Säubern des Rechens vom Turbineneinlauf oder beim Einsammeln der eisernen Keile, die der Lenz beim Umrüsten mit kraftvollen Hammerschlägen aus dem Gatter schlug. Dafür durften wir dann im Sägespänbunker, Höhlen und Gänge graben, deren Einsturzrisiken zwar unseren Eltern, nicht aber uns bewusst waren.

Wenn wir seine Gutmütigkeit aber zu arg strapazierten und er uns dann ein "Sakramint, ihr Säureudl" zurief, wussten wir, dass seine Geduld mit uns, zumindest an diesem Tag, erschöpft war. Dann verließen wir die Mühle. Aber draußen warteten die Blöcher im Mühlbach auf uns, über die wir mit behänden Schritten liefen, um das Ufer auf der anderen Seite zu erreichen - was nicht immer gelang. Genauso war das Bretterlager zum Versteckspielen ein immerwährender Abenteuerspielplatz.

Wallenfels geprägt von Mühlen

Im Wallenfelser Ortsbereich schnitten in den 1960er Jahren noch sechs teilweise wassergetriebene Schneidmühlen Holz: die Gemeindeschneidmühle (bis 1979), die Klingerschneidmühle (bis 1968), die Bergschneidmühle (bis 1971), die Angerschneidmühle (bis 1971), die Felsenschneidmühle (bis 1966), die Hammerschneidmühle (derzeit außer Betrieb) und die Stumpfenschneidmühle (modernisiert, Wasserrad dient der Stromerzeugung). Dokumentiert ist dies in "Wallenfels - geprägt von Wald und Wasser" des Heimatgeschichtlichen Arbeitskreises Wallenfels. Der lokalgeschichtliche Band nennt auch all die Schneidmüller, die bis zuletzt ihren Dienst in den obengenannten Mühlen versahen.

Der Niedergang der wassergetriebenen Schneidmühlen ging einher mit dem Aufstieg der kraftbetriebenen Sägewerke von denen in Wallenfels bereits drei bestanden: die Sägewerke Müller-Lisa, Müller-Gei und Müller-Sägefeiler. Diesen Sägewerken gehörte, aufgrund ihrer wesentlich höheren Produktivität die hölzerne Zukunft. Das Wassergesetz von 1957 beförderte durch Ausgleichszahlungen zudem die Stilllegung der alten Mühlenbetriebe.

Heute sind wassergetriebene Schneidmühlen komplett aus dem innerstädtischen Bild von Wallenfels verschwunden. Nur die in Privatbesitz befindliche Klingersmühle in der Frankenwaldstraße ist in arg baufälliger Verfassung noch erhalten. Das letzte Zeugnis innerstädtischer Schneidmühlengeschichte gänzlich verfallen zu lassen, würde dem Eigenverständnis Wallenfels, als Flößer- und Schneidmühlenort nicht gerecht. Auch das Mühlrad der Hammerschneidmühle könnte sich noch bewegen, wenn die Interessenten sich zu einer Reparatur der Antriebstechnik entschließen würden. Daher sollte auch hier das Motto des Denkmaltages gelten: Erinnern.Erhalten.Neu denken.