Sie ging auch in diesem Jahr zügig über die Bühne, die Verbandsversammlung beim Abwasserzweckverband (AZV) "Obere Werntalgemeinden". Einstimmig verabschiedet wurde der bereits im Ausschuss vorberatene Haushalt 2017: mit 6,84 Millionen Euro im Verwaltungs- sowie 4,275 Millionen Euro im Vermögenshaushalt, der eine Zuführung von 1,426 Millionen Euro aus dem Verwaltungshaushalt erhält. Etwa 1,1 Millionen Euro werden aus den Rücklagen entnommen, dazu gesellt sich eine Kreditaufnahme in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro. Insgesamt sind Investitionen von 2,6 Millionen Euro zu schultern. Ziel ist es, den Schuldenstand dennoch auf unter 26,5 Millionen Euro zu senken.
"Wir sind dabei, das Rad umzudrehen", sagte Reinhold Stahl als Verbandsvorsitzender. Der AZV nahm die Sitzung zum Anlass, zurückzublicken: Daniela Sell hatte als Verwaltungsleiterin eine detaillierte Auflistung der Investitionen seit 2009 beigefügt, dem Jahr der Übernahme der Ortsnetze. Insgesamt wurden bis letztes Jahr 12,1 Millionen Euro investiert, in elf Einzelmaßnahmen auf der Kläranlage, 19 Ortsnetzprojekte sowie sechs Sonderbauwerke wie Regenrück- und -überlaufbecken. Trotzdem habe sich, so die Verwaltung, der Schuldenstand nur von 26 auf aktuell 26,5 Millionen Euro erhöht.


"Eine Erfolgsgeschichte"

"Wir haben damals bereits mehrere Millionen Euro Schulden übernommen", konstatierte Walter Weinig als Geschäftsleiter. Nun soll es eine "Minusneuverschuldung" geben. Der AZV-Außenverband sei somit "eigentlich eine Erfolgsgeschichte". Bei der Gründung wäre ja nicht nur "Hurra" geschrien worden, so Weinig: "Viele haben uns prophezeit, dass wir an die Wand fahren." Reinhold Stahl wies auf relativ günstige Gebühren im Vergleich zu anderen Gemeinden hin. Auf Nachfrage des Poppenhäuser Verbandsrats Walter Schmitt, wie sich die Erschließung des Kasernengeländes der Conn Barracks auswirken werde, hielt sich der Vorsitzende bedeckt: Das seien "ungelegte Eier". Geplant werde eventuell in Teilstücken, aber: "Im Moment wäre es nicht redlich, wenn ich etwas dazu sagen würde, was mit anderen nicht abgesprochen ist."
Die Verbandskasse profitiert von verschobenen Projekten und außerplanmäßigen Einsparungen, etwa durch den "gekippten" Bau des Obbacher Regenüberlaufbecken. In jedem Fall sorgt der historisch niedrige Zinsstand für Entlastung. "Wir haben im Jahr 2016 mit Argusaugen die Zinsentwicklung beobachtet": Walter Weinig wies in seinem Bericht auf zwei Millionenkredite hin, die 2016 aufgenommen worden sind, mit gerade einmal 0,12 sowie null Prozent Zinsen.


26 000 Bürger versorgt

Das günstige Geld wird allerdings gebraucht. Betriebsleiter Jürgen Seufert hatte die entsprechenden Zahlen: Versorgt werden derzeit 26 000 Einwohner, inklusive 1100 Rannunger, in 20 Gemeindeteilen. Dazu kommen die Conn Barracks, wo gerade die Leitungen der Flüchtlingsunterkünfte sowie Richtung Motorpool untersucht worden sind. Betreut werden 210 Kilometer Kanalnetz und fünfzig Sonderbauten. Etwa 60 Kilometer der Ortsnetze sind älter als 40 Jahre, rund 40 Kilometer immer noch älter als 30 Jahre, mit entsprechendem Sanierungsbedarf.
Seit 2010 wurden 37 Prozent der Kanäle mit der Kamera befahren. Von den knapp 3,4 Millionen Kubikmeter Abwasser, die 2016 in der Kläranlage gereinigt worden sind, waren immerhin 890 000 Kubikmeter Fremdwasser.
Hier fragte Inge Stephan aus Niederwerrn nach. Alte Drainagen, undichte Hausanschluss-Leitungen und Quellenzuflüsse sind ein bekanntes Problem, hieß es aus der Verwaltung: zumal Fremdwasser früher regelrecht gewünscht war. Manfred Greubel (Gemeinde Oerlenbach) bereitete der umgekehrte Weg Sorgen: bei der momentanen Trockenheit könnten die Leitungen eher auslaufen. "Deswegen machen wir die Kamerabefahrungen", meinte Seufert. Man habe die Sanierung teilweise schon begonnen, rede aber von einem 20- oder 30 Jahres-Projekt. Etwas über eine Million Kilowattstunden Strombedarf hatte 2016 die Kläranlage, die ihn nun zu 72 Prozent selbst deckt, dank Photovoltaik auf dem Dach: eine Steigerung um zwei Prozent.


Geringere Kreditaufnahme

Willi Warmuth (Dittelbrunn) stellte als Leiter des Rechnungsprüfungsausschusses das Ergebnis der Jahresrechnung 2015 fest: 6,498 Millionen Euro lagen im Verwaltungs-, 4,874 Millionen Euro im Vermögenshaushalt. Die Jahresrechnung 2016 beläuft sich auf rund 6,89 Millionen Euro im Verwaltungs- sowie 4,35 Millionen Euro im Vermögenshaushalt, dem 1,7 Millionen Euro zugeführt werden. Die Kreditaufnahme fiel mit zwei Millionen Euro deutlich niedriger als als die geplanten drei Millionen Euro.
Der Schuldenstand betrug zum Jahresende 26,5 Millionen Euro, bei Gesamtrücklagen von 2,1 Millionen Euro. ue