Seit nunmehr sechs Wochen gilt das Besuchsverbot für Altenpflegeeinrichtungen. Bis auf weiteres dürfen die Bewohner von Kindern, Enkeln, Freunden und Verwandten keinen Besuch mehr erhalten. Angehörige und Einrichtungen wurden kreativ, was die Kontaktmöglichkeiten anging. Mit Telefonanrufen, Videotelefonie sowie handgeschriebenen Briefen, Fotos und Karten konnte man in Verbindung bleiben.

"Trotz Lockerungen der Maßnahmen in der Öffentlichkeit muss davon ausgegangen werden, dass die bisher geltenden Regelungen für Pflegeeinrichtungen noch sehr lange bestehen bleiben. Es geht um den Schutz der Gesundheit und des Lebens unserer Bewohnerinnen und Bewohner", erklärt Anke Schäflein, die Geschäftsführerin des Caritasverbandes für den Landkreis Haßberge. "Gleichzeitig erhöht sich durch die Lockerungen auch die Gefahr für unsere Bewohnerinnen und Bewohner, von diesem tatsächlich verheerend wirkenden Virus betroffen zu werden. Trotz aller guten Vorbereitung. Das bereitet uns große Sorgen", sagt Anke Schäflein weiter.

Natürlich sei das Besuchsverbot für die Bewohner und vor allem auch für die Angehörigen nicht einfach, berichtet Heike Ehlert, die Einrichtungsleiterin im Haßfurter Caritas-Seniorenheim Sankt Bruno. "Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten gerade sehr viel, um die Situation für die Pflegebedürftigen so angenehm wie möglich zu gestalten. Und trotzdem waren wir auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten, wie sich Bewohner und Angehörige sehen können - trotz Besuchsverbots."

In Zusammenarbeit mit der Pfarrei Haßfurt wurde nun eine Lösung gefunden: in der Hauskapelle von Sankt Bruno und der zugehörigen Sakristei, die einen externen Zugang bietet. Die Angehörigen können über den separaten Eingang in die Kapelle eintreten, die Bewohner werden von den Mitarbeitern in den Bereich vor der Kapelle gebracht. Im Türrahmen zwischen Kapelle und Wohngruppe dient eine dichte Trockenbaukonstruktion mit transparenter Scheibe als Besucherfenster und die akustische Verständigung wird durch ein Telefon unterstützt. Damit werden Besuche unter schwierigen Witterungsverhältnissen angenehm möglich.

Vorsitzender Johannes Simon hatte die Idee dazu und freut sich über die rasche Umsetzung: "Es ging um eine unkomplizierte Lösung zum Wohle aller. Umso mehr freut es mich, dass Pfarrer Eschenbacher der Idee sofort zugestimmt hat. Herzlichen Dank dafür! Die Kirche ist ein Ort der Begegnung, das gilt hier nun auch im wahrsten Sinne des Wortes", so der Vorsitzende des Caritaskreisverbandes.

Gegen die Einsamkeit

Allen Beteiligten ist dabei bewusst: Natürlich ersetzt ein solcher Besuch mit Trennwand keine echte Umarmung seiner Liebsten, aber es ist eine weitere gute Möglichkeit, der sozialen Isolierung der Bewohner entgegenzuwirken. Diese fest eingebaute Konstruktion bleibt nun bis auf weiteres bestehen.

Gottesdienste können auch weiterhin in der Kapelle stattfinden. Seit Beginn des Besuchsverbots werden diese ins Haus übertragen - mit den für die Bewohner gewohnten Seelsorgern aus der Pfarrei.

Pfarrer Stephan Eschenbacher resümiert: "Sankt Bruno - Caritas und Kirche unter einem Dach. Dass dies mehr als nur ein gut klingender Slogan ist, beweist diese gelungene Aktion. Vielen Dank auch an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Seniorenheim, die die Besuchsoption trotz erneutem Mehraufwand möglich machen!"

Ähnliche Besuchskontakte werden auch in den Caritas-Einrichtungen in Hofheim und in der ambulanten Wohngemeinschaft Knetzgau aufgebaut. red