"Für stürmische Zeiten hat es einen anderen Ort gebraucht", erklärte Pfarrerin Bettina Beck. Für die Kreuzberg-Kirchweih der evangelischen Kirchengemeinde war dieser Ort der Dr.-Martin-Luther-Platz gegenüber ihrem Gotteshaus. Zahlreiche Gläubige, darunter auch Bürgermeister Robert Hümmer, hatten sich am Sonntag hier eingefunden, um mit einem Festgottesdienst unter freiem Himmel der Weihe der Kirche vor 49 Jahren zu gedenken.

Weihnachten unter freiem Himmel

Die violett-weiße Kirchenfahne flatterte hoch am Mast, im Turm läuteten feierlich die Glocken, und durch die geöffneten Türen und Fenster des Kirchenschiffs erklang festliche Orgelmusik. Über den Platz verteilt, saßen die Besucher im vorgeschriebenen Sicherheitsabstand auf Klappstühlen. Einige hatten vorsorglich eine Decke mitgebracht, denn trotz strahlend blauem Himmel war es ziemlich frisch.

Dieser Gottesdienst auf dem Dr.-Martin-Luther-Platz war für die evangelischen Christen nicht nur eine Premiere, sondern auch ein Test für Weihnachten. "Da wir aufgrund der Abstandsregeln an Heiligabend die vielen Gläubigen in unserem Gotteshaus nicht unterbringen können, werden wir die Geburt Jesu unter freiem Himmel feiern", sagte Pfarrerin Beck.

49 Jahre Kreuzbergkirche sind nach Aussage der Geistlichen ein Grund zum Feiern: "Wir danken Gott an diesem Tag für all das, was wir mit ihm in diesem Haus erleben durften."

In Anbetracht der aktuellen Situation trug Beck Lesungen vor, die deutlich machten, wie Gott Menschen in stürmischen Zeiten beistehen möchte. Eine biblische Geschichte aus dem Neuen Testament erzählte, wie Jesus und seine Jünger in einem Boot einen See überqueren und dabei von einem Sturm überrascht werden. Während die Jünger um ihr Leben bangen, bleibt Jesus gelassen. "Er ist ein Ruhepol. Er weiß, dass ihm nichts geschehen kann, weil Gott stärker ist und er von dessen Liebe getragen wird", betonte die Seelsorgerin.

Auch die evangelische Kreuzbergkirche sei in den vergangenen 49 Jahren für die Menschen in Altenkunstadt ein Ruhepol gewesen, und dies wolle sie auch in Zukunft sein. "Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt" sangen die Gläubigen zur Predigt. Und ein Schiff im Miniaturformat zierte auch den Dr.-Martin-Luther-Platz.

Aktion für die Renovierung

"Wir eröffnen heute die Kollekten-Aktion für die Renovierung unserer Kirche und des Gemeindezentrums", erläuterte Pfarrerin Beck. Man wolle die Räume barrierefrei umgestalten und sei daher für jede Spende dankbar. Das Schiff, das als Spendenbox dient, wird in den kommenden Wochen im Eingangsbereich der Kreuzbergkirche stehen.

Ein Konzert des evangelischen Posaunenchors Strössendorf bildete den musikalischen Höhepunkt der "Kerwa". Unter Leitung von Pfarrer Rudolf Ranzenberger brachten die Bläser auf dem Kirchenvorplatz beliebte Lieder wie "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" und "Vergiss nicht, zu danken" zu Gehör.

Beim lateinischen "Laudate omnes gentes" stellten die Posaunenspieler unter Beweis, dass sie nicht nur ihre Instrumente beherrschen, sondern auch gut singen können. Die Zuhörer bedankten sich mit herzlichem Beifall.