Forchheim — In den afrikanischen Staaten Togo und Benin gibt es die Tradition der weiblichen Beschneidung nicht mehr. Das hat der deutsche Verein "INTACT" mit großem Einsatz erreicht. Anhand großformatiger Fotocollagen wird in der Afrika-Sonderausstellung im Pfalzmuseum Forchheim unter dem Titel "Adieu l'Excision! Auf Nimmerwiedersehen, Beschneidung - in Benin und Togo!" dieser Erfolg dokumentiert.

Start mit Vortrag

Mit einem Vortrag von Barbara Schirpke wird am Mittwoch, 4. Juni, um 19 Uhr, die Sonderschau eröffnet. Schirmherrin der Ausstellung ist die ehemalige Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul(SPD).
Anfang 1996 gründete Christa Müller in Saarbrücken die Internationale Aktion gegen die Beschneidung von Mädchen und Frauen - INTACT " Der Verein unterstützt Aufklärungskampagnen in Afrika und finanziert und koordiniert derzeit Projekte in Burkina Faso, Togo, Senegal und Benin. Ein Projekt in Ghana ist in Planung. In der Vergangenheit wurden Aufklärungsmaßnahmen in Eritrea, Guinea, Kenia, Mali, Sierra Leone, Tansania, und im Tschad unternommen.Die Menschen, die mit viel Herzblut für die Unversehrtheit der Mädchen zukünftiger Generationen gekämpft haben, sind stolz auf ihre Arbeit vor Ort.

Eindrucksvolle Impressionen

Barbara Schirpke, Produzentin des Internet-Portals "AfroPort.de" und Gründerin der Städtegruppe INTACT München fotografierte bei Feierlichkeiten in Natitingou in Benin und in Sokodé in Togo. Es entstanden eindrucksvolle Impressionen der Volksfeste. Gleichzeitig informiert die Sonderschau über Fakten und Hintergründe weiblicher Beschneidung.
Sie gibt Einblick in die Arbeit der Protagonisten der Aufklärung (Initiatoren, Sozialarbeiterinnen), zeigt ihre Widersacher (Traditionshüter, Beschneiderinnen) und veranschaulicht die Strategien, die zum Erfolg in den zwei afrikanischen Ländern führten. In über 3000 Dörfern klärten Sozialarbeiterinnen über die weibliche Beschneidung und deren katastrophale Folgen für die Frauen auf. Mehr als 500 Beschneiderinnen gaben ihre Werkzeuge in feierlichen Zeremonien ab. Viele von ihnen erhielten Kleinkredite für eine neue Existenz. Über 1200 Dorfkomitees wachen darüber, dass in ihren Dörfern die Mädchen nicht mehr beschnitten werden.

Grausamer Brauch

Die Ausstellung würdigt die Arbeit von INTACT im Kampf gegen einen der grausamsten Bräuche, der heute schon Tausenden von Mädchen erspart bleibt. Auch in Deutschland leben schätzungsweise 30 000 Frauen afrikanischer Herkunft, die beschnitten sind. Fünftausend Mädchen sind potenziell von Genitalverstümmelung in unserem Land bedroht. Fachleute aus der Medizin, Recht und Bildung werden zunehmend mit diesem Brauch konfrontiert. INTACT betreibt darum auch in Deutschland Informationsarbeit, steht Betroffenen als Ansprechpartner zur Verfügung und begleitet Migrantenvereine bei ihren Aufklärungsprojekten. red