Für viele ist der Sonntag ein Tag zum Abschalten, Ausruhen und schöne Ausflüge machen. Für Pfarrer Thomas Menzel von den Pfarreiengemeinschaften "Franziska Streitel, Mellrichstadt", "Fladungen - Nordheim" und "Besengau, Bastheim" ist es mitunter der arbeitsreichste Tag der Woche. Wobei Menzel die Feier der Messen nicht als Arbeit im eigentlichen Sinne betrachtet: "Die Arbeit muss vor dem Gottesdienst gemacht werden."

Um 8.30 Uhr steht für ihn der erste Gottesdienst auf dem Plan. Diesmal in der Pfarrkirche "Heiliger Kilian" in Mellrichstadt. Das Gotteshaus wirkt beeindruckend durch die Raumhöhe und die verschiedenen roten Sandsteinbögen, die die Säulen verbinden. Die Kirche ist so weit gefüllt, wie es die Coronavorschriften zulassen. Die Gottesdienstbesucher sind etwas älter, auch wenn einige Familien zu finden sind. Menzel steht im Altarraum und predigt.

Wert der Gemeinschaft

Er berichtet von Kilian, Kolonat und Totnan, den drei Bistumsheiligen. In seiner Predigt erklärt er weiter, welchen Wert die Gemeinschaft hat: "Zu zweit kann man einander unterstützen, kann miteinander Lasten tragen, Strapazen aushalten, Krisen meistern, Ängste teilen und Gefahren bestehen. Gemeinsamkeit verleiht Stärke und Kraft."

Nach dem Ende des Gottesdienstes in Mellrichstadt gegen 9.20 Uhr geht der Pfarrer in die Sakristei, zieht sich um, packt seinen Rucksack und nimmt die Albe, sein Gewand, mit. Menzel ist sehr groß und erklärt: "Ich kann nicht erwarten, dass jede Pfarrei extra für mich ein Gewand anschafft."

Außerdem muss er heute für den zweiten Gottesdienst noch an die Geschenke für die Kommunionkinder denken. Ein Kreuz für jedes Kind. Dann eilt er zu seinem Auto. Der Gottesdienst in der Kirche "Sankt Alban" in Hendungen soll um 10 Uhr beginnen. Die beiden Orte liegen sechs Kilometer entfernt voneinander. Im Auto berichtet Menzel: "Dieses Jahr haben wir in der Pfarreiengemeinschaft ,Franziska Streitel' aufgrund von Corona wieder mehr Kommunionen in den einzelnen Gemeinden, anstelle einer oder zwei großen."

Szenenwechsel

Um 9.39 Uhr vor Ort angekommen, geht es direkt in die nächste Sakristei, wo Küster, Ministranten und Gemeindeassistent schon warten. Menzel begrüßt alle und trifft letzte Absprachen, bevor er sich sammelt, um einen ganz anderen Gottesdienst als den zuvor zu zelebrieren. Die Kirche ist schön hergerichtet für den Tag, an den Bänken stehen die Vornamen der Kinder. Immer mit Abstand, so weiß jede Familie, wo sie später sitzen wird. Die Schilder sind jeweils mit einem Buchskranz geschmückt.

Auf Kinder eingehen

Als die Kinder mit ihren Familien durch die Eingangstür einziehen, beginnt der Gottesdienst. Bei den Liedern kommen sowohl Gitarre als auch Orgel zum Einsatz. Menzel geht bei der Gestaltung des Gottesdienstes ganz auf die Kinder ein und singt zum Abschluss mit ihnen das Lied. "Immer und überall" mit begleitenden Bewegungen. Auch hier gibt Menzel seine Freude am Glauben weiter.

Nach der Erstkommunion und kurzen Gesprächen mit den Eltern sowie Fotos mit den Kommunionkindern fährt Menzel zurück nach Mellrichstadt. Dort zeigt er sein Büro, ebenfalls ein von ihm stark frequentierter Arbeitsplatz. Er deutet auf den Bildschirm, auf dem der Kalender des achtköpfigen Seelsorgeteams und des Verwaltungsteams zu sehen ist. "Zwar ist der Plan wegen der Corona-Pandemie noch nicht so voll wie vorher. Trotzdem zeigt sich auch jetzt, wie notwendig so ein Team bei der Vielzahl von Terminen ist."

Freier Tag ist Montag

Auch am Nachmittag hat Menzel noch einen Termin. Ein Traugespräch. "Das Brautpaar kommt von weiter weg und ist dieses Wochenende sowieso hier, da bin ich flexibel und vereinbare auch einen Termin am Sonntagnachmittag." Montags hat Menzel eigentlich seinen freien Tag, doch auch an solchen Tagen kommen häufig Termine dazwischen. An diesem zum Beispiel die Sitzung des Pflegeausschusses der Juliusspitalstiftung, deren zweiter Vorsitzender er als Pfarrer von Mellrichstadt ist.

Vor allem die Verwaltungsaufgaben, die ein Pfarrer übernimmt, werden häufig unterschätzt. Für die 22 Gemeinden in drei Pfarreiengemeinschaften muss es einen gemeinsamen Gottesdienstplan geben. "Für die erste Grundplanung sitze ich mit den Pfarrsekretärinnen der drei Pfarrbüros zusammen, damit nichts vergessen wird. Alles Weitere wird dann in eine gemeinsame Software eingepflegt. Mittlerweile haben sich auch alle Sekretärinnen damit angefreundet, anders würde es heute auch gar nicht mehr gehen." Die Sekretärinnen können auch bei der Pflege der Homepage unterstützen, manche Kleinigkeiten macht Menzel selbst, vor allem aber kümmert sich ein Pastoralreferent um diese Aufgabe. "Das wäre fast ein eigener Job." Außerdem wirft er ein Auge auf die Erstellung des Pfarrbriefs, der für jede Pfarreiengemeinschaft einen individuellen Teil beinhaltet und mit den für sie wichtigen Informationen gefüllt werden muss.

Verwaltungsleiter steht zur Seite

Dank eines Pilotprojekts der Diözese hat er zur Unterstützung einen Verwaltungsleiter zur Verfügung gestellt bekommen. Der ist unter anderem Ansprechpartner für die Kirchenpfleger, was sonst auch zum Aufgabenbereich eines Pfarrers gehört. Die Letztverantwortung für die drei Pfarreiengemeinschaften bleibt aber trotzdem beim Pfarrer. Das wurde in diesem Jahr noch einmal durch ein Schreiben des Vatikans bekräftigt.