In den katholischen Kirchen wird Weihnachten in einem Dreiklang begangen. Die Feier beginnt mit der Christmette in der Heiligen Nacht, in der die Verkündigung der Geburt Jesu gefeiert wird, dann geht es weiter mit dem Hirtenamt, der "Missa in Aurora", also in der Morgenröte, und mündet schließlich in den Höhepunkt, die Eucharistiefeier am ersten Weihnachtsfeiertag.

Das Hirtenamt ist die traditionelle Messe am frühen Weihnachtsmorgen, die den Übergang von der Nacht in den hellen Weihnachtstag abbilden will. Inhaltlich wird in der Heiligen Nacht die Geburt des Herrn betrachtet und in der Messe vom Tag die theologische Bedeutung der Ankunft Gottes im Menschen. Dagegen schildert das Hirtenamt die Ereignisse aus der Sicht der Hirten. Der Herr wird mitten in die ärmste Bevölkerungsschicht hineingeboren. Das Fest gilt also den Armen. Denn, wer nicht wie ein Hirte wacht, verpasst die Ankunft Gottes.

Für Kaplan Tobias Löffler wird das Weihnachtsfest in diesem Jahr mit Sätzen in Erinnerung bleiben, die er eigentlich nicht sagen wollte: "Hast Du einen schönen Mundschutz", "Wie viele Personen sind das jetzt?" oder "Oma, bitte Abstand halten!" Wichtig ist für ihn dennoch: "Aus der Krippe streckt uns das Jesuskind seine rettende Hand entgegen!"

Denn Weihnachten sei ein Fest der Berührung, sagte er bei der Hirtenmette in St. Magdalena, da werde die Oma umarmt und die Eltern würden begrüßt. Tatsächlich brauchten Menschen Berührungen von klein auf, nicht nur an Weihnachten. Dagegen werde Weihnachten 2020 in Erinnerung bleiben mit den Schlagworten Abstand und Desinfektion.

Gott macht sich berührbar

Nicht jeder möge zu viel Nähe, für Teenager sei der Abschiedskuss der Mutter auf dem Schulhof eher peinlich. Aber ganz ohne Berührung könne kein Mensch existieren. Es tue gut, eine helfende Hand hinter sich zu wissen, sowohl als Kind als auch als Großeltern.

Sicher habe auch Maria dem Jesuskind einen Kuss vor dem Einschlafen gegeben. Gott umarme uns so fest und eng, wie es nur die Mutter darf, wie er es beispielsweise mit den Hirten in der Heiligen Nacht getan hat. An Weihnachten werde Gott Mensch und mache sich dadurch berührbar für Menschen.

"Weihnachten, das Fest der Berührung, stimmt das noch 2020?", stellte Kaplan Löffler die Frage in den Raum. Denn wer jemanden retten will, der müsse berühren, der müsse sich aber auch berühren lassen, wie die Gläubigen, die in den Gottesdienst gehen. Denn: "Gott berührt alle verletzten Herzen, die sich an das Jesuskind klammern!" Mit den Worten: "Weihnachten 2020 - auch mit Abstand das Fest der Berührungen. Ich wünsche ihnen ein berührendes Fest", beendete Löffler seine Predigt. Die Gläubigen entließ er danach in den erwachenden Morgen. Für Musik hatten Uli Nix mit Flöten und Dudelsack sowie Toni Rotter an der Orgel gesorgt.