Herzogenaurach — "Hier stimmt etwas nicht!", begrüßte der Präsident der Stadtjugendkapelle Herzogenaurach die Zuhörer in der Evangelischen Kirche. "Normalerweise sind viele Stühle aufgestellt, wenn eines unserer Orchester auftritt, heute nur wenige." Es sollte aber auch ein besonderes Konzert werden. Die Lehrer der Stadtjugendkapelle wollten einen Eindruck dessen geben, was sie in die Ausbildung der Jugendlichen einbringen und hatten - mit etwas Verstärkung aus dem Kreis ihrer Schüler und Freunde - ein buntes Programm zusammengestellt.
Den Auftakt zum Benefizkonzert für den Umbau des Martin-Luther-Hauses gestaltete Gerhard Bittruf, langjähriger Trompetenlehrer bei der Stadtjugendkapelle, mit "Three of a kind", drei eher klassischen Stücken, in denen er mit sauberem Spiel und schnellen Tonfolgen brillierte. Die Nebenstimmen spielten seine Schüler Johannes Feyrer und Daniel Scholz.
Norbert Engelmann vertiefte die Klassik mit dem "Morceau Symphonique", das einem Posaunisten höchstes Können abverlangt, so die Anmoderation von Christian Kaltenhäußer. Dieser wiederum beeindruckte mit der Arie "Beda" aus der Oper Rusalka, "Fünftausend Taler" aus Lortzings "Wildschütz" sowie "Stroganoff", immer perfekt begleitet von Andrea Kaschel am Piano.
"Darf es auch Jazz sein?", fragte Walter Wachter, als ihn Norbert Engelmann um seine Teilnahme am Konzert bat. Seine Bearbeitung von "Summertime" aus Gershwins Oper "Porgy and Bess" setzte einen weiteren Höhepunkt. Sein gefühlvolles Saxophon-Spiel verursachte Gänsehaut und wurde dezent untermalt von Andreas Engel am Piano, dem vielseitigen Peter Willert am elektronischen Bass und Thomas Buck, Schlagzeug.
Engelmann wiederum schwenkte zur Klassik zurück und bewies mit seinem Euphonium, dass Johann Sebastian Bach gut beraten gewesen wäre, das beliebte Stück "Air" gleich für Tiefblech zu komponieren. Marcus Widuch und Lukas Maier reicherten Engelmanns erste Stimme mit Euphonium und Tuba an.
Eine weitere Steigerung präsentierte Engelmann mit seiner Bearbeitung von "Spain", ursprünglich aus Rodrigos "Concierto de Aranjuez", variiert vom Jazzkomponisten Chick Corea. Thomas Wendel und David Niewelt verstärkten mit ihren Posaunen und als Überraschungsgast stellte sich Percussionslehrer Alberto Parmigiani an die Congas.
Die folgende Performance kam einer Jam Session gleich, was das begeisterte Publikum mit Szenen- und einem lang anhaltenden Schlussapplaus belohnte.
Im abgedunkelten Kirchenraum gab Joanna Krasnopolska mit ihrer Querflöte den Zuhörern schließlich ein wunderschönes Wiegenlied mit auf den Heimweg. W. Niewelt