Ein 47-jähriger Kulmbacher stand am Donnerstagvormittag vor Gericht und musste sich wegen Beleidigung verantworten. Im Oktober vergangenen Jahres soll er vor einem Supermarkt einen gebürtigen Nigerianer beschimpft haben. "Hey Kongo" oder "Es gibt keine Bananen in Deutschland" soll er dem Mann zugerufen haben.

Hohes Tempo auf dem Parkplatz

Der Angeklagte leugnete anfangs, diese Beschimpfungen geäußert zu haben. Er habe in dem Café vor dem Supermarkt mit einem Kumpel gesessen und ein Feierabendbier getrunken. Da sei ihm ein dunkelhäutiger Mann aufgefallen, der in hohem Tempo und mit lauter Musik auf den Parkplatz gefahren sei.

"Ich sagte nur zu ihm, er solle halt nicht so schnell auf den Parkplatz fahren." Am Tag darauf habe der Angeklagte erneut vor dem Café gesessen, als der Mann vom Vortag langsam an ihm vorbei gefahren sei, um ihn zu beschimpfen und den Mittelfinger zu zeigen.

Zumindest der zweite Teil der Geschichte stimmte wohl, denn der Zeuge aus Nigeria hatte dies bereits in einer Verhandlung Anfang April eingeräumt und sich beim Angeklagten entschuldigt. Der Beschuldigte nämlich hatte den Nigerianer auf Drängen seines Kumpels bei der Polizei angezeigt.

In der Bewährungszeit

Nach einer Besprechung zwischen Richterin Sieglinde Tettmann, der Staatsanwaltschaft und dem Anwalt des Angeklagten ging der Angeklagte nochmals in sich und gab schließlich zu, als Erster heftige Beleidigungen ausgesprochen zu haben. Dies sei wohl auch dem Umstand geschuldet gewesen, dass er unter Alkoholeinfluss stand.

Aufgrund seines Vorstrafenregisters hätte man, so die Staatsanwältin, durchaus in Betracht ziehen müssen, eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung zu verhängen, denn "zum Tatzeitpunkt befand sich der Angeklagte noch unter dreifacher offener Bewährung".

Aufgrund der besonderen Umstände jedoch, darunter gesundheitliche Probleme und familiäre Erschwernisse, sei es als letzte Warnung noch einmal möglich gewesen, eine Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen zu je zehn Euro zu verhängen, so Richterin Tettmann. "Mein dringender Appell an Sie lautet jedoch: Sie müssen etwas machen, am besten eine Langzeittherapie, und vor allem die Finger vom Alkohol lassen." Denn insbesondere unter Alkoholeinfluss verliere der Angeklagte schnell die Kontrolle, so die Richterin.