"Ausgebremst! - Was jetzt?" So lautete das Motto des ökumenischen Biker-Gottesdienstes am Samstag auf dem Wohnmobilstellplatz an der Stadtmauer in Ebern.

Gestaltet wurde der Gottesdienst, der mittlerweile zum 16. Mal stattfand, von Pater Rudolf Theiler sowie den beiden Pfarrern Gerhard Göller und Bernd Grosser. Für die Musik sorgte die Kirchenband "Unterwegs".

Ausgebremst war dieses Mal das übliche Zusammensein bei Bratwurst und Getränk im Anschluss, das coronabedingt nicht möglich war. Einmalig war wohl auch der Empfang, bei dem die Daten der Besucher erfasst wurden. Aber auch die Sitzordnung war anders als gewohnt, damit die Gäste außerhalb der eigenen Familie den geforderten Mindestabstand einhalten konnten.

Das Gottesdienstthema nahm in diesem Jahr die Corona-Situation auf, die nicht nur Biker, sondern eigentlich jeden ausbremst, aber auch Chancen bietet, wenn man sie nutzt.

Aber nicht nur Corona war Thema. Wie auch, wenn Pfarrer Gerhard Göller selbst bekennender Biker ist und ein Sonn- und Feiertagsfahrverbot gerade diskutiert wird. Begeistert ist er wie viele andere Biker nicht. Unter der Woche werde gearbeitet, da wolle man doch am Sonntag raus mit der Maschine, sagte er.

Ausgebremst wurde auch Familie Bullnheimer, wie Heike Bullnheimer schildert. Aufträge wurden storniert, die Kinder konnten nicht ihren Hobbys nachgehen, man saß viel daheim aufeinander, was nicht einfach gewesen sei. Und Alfred Neugebauer wurde ausgebremst, wollte er doch auch in diesem Jahr wieder nach Taizé reisen. Aber dort wurde die Notbremse gezogen und alles abgesagt.

Die Chancen erkennen

In der Predigt ging es darum, ob dieses Ausgebremst werden auch Gefahren birgt. Was klar bejaht wurde, da die Beschränkungen bei vielen Leuten Ärger, Wut und Aggressionen hervorbringen. Aber es gibt auch die andere Seite der Medaille. Nämlich dass es gut war und ist, inne zu halten, nachzudenken, einen neuen Blick auf das Leben zu bekommen und auf eine positive Veränderung zu hoffen. Pfarrer Bernd Grosser erzählte vom Apostel Paulus, der auch ausgebremst wurde, indem er immer wieder ins Gefängnis gebracht wurde. Aber vier seiner Briefe aus dem neuen Testament schrieb er genau dort. Sie entstanden nicht in den Hochphasen seines Lebens, sondern da, wo er zur Ruhe gekommen war. So schrieb er im Gefängnis Briefe, die zum Gründungsdokument des christlichen Glaubens wurden. Die Kirche selbst hat auch neue Ideen gewickelt, was die Gottesdienste angeht, etwa Online-Gottesdienste und Auto-Gottesdienst.

Pater Rudolf Theiler spendete den Bikern und deren Fahrzeugen den, wie man es von ihm gar nicht kennt, trockenen Segen. Coronabedingt war es eben nicht anders möglich.