Peter Reifschneider Bei Eiseskälte eine Abenteuertour durch den Wald machen, sich auf einen Parcours zum Thema "Erlebniswelt der Sinne" begeben, in einen Erste-Hilfe-Kurs reinschnuppern, ein BRK-Auto erkunden oder einfach Spiele spielen - die DJK Priegendorf hat ein vielfältiges Programm bei ihrem "Erlebnistag für Kids" angeboten. Das wäre ohne die 13 Jugendlichen, die in dem Sportverein aktuell ein "Freiwilliges Soziales Schuljahr" (FSSJ) absolvieren, nicht möglich gewesen. FSSJler wie Amelie Eck und Chiara Karl haben beschlossen, Verantwortung zu übernehmen und dafür einen Teil ihrer Freizeit zu opfern.

"Wir sind ein kleiner Verein - da muss jeder mithelfen", sagt Amelie, die derzeit die 8. Klasse des Friedrich-Rückert-Gymnasiums in Ebern besucht. Gemeinsam mit Chiara engagiert sie sich bei den "Fraeggles", der Jugendgruppe der DJK Priegendorf, und unternimmt mit den Kids Radtouren oder Kinobesuche. Um das zu finanzieren, basteln sie ab September für den vereinseigenen Weihnachtsbasar, auf dem sie ihre Arbeiten dann verkaufen.

Für Chiara, die in die 9. Klasse der Staatlichen Realschule Scheßlitz geht, hat das Engagement auch einen praktischen Nutzen. Denn sie möchte nach ihrem Schulabschluss eine Ausbildung zur Erzieherin machen. Da hilft es, wenn man schon vorher Erfahrungen im Umgang mit Kindern sammeln kann. "Ich habe gemerkt, dass mir das Spaß macht und ich genau das später machen will", freut sie sich.

Alle 13 FSSJlere waren bereits vorher im Verein aktiv. Dass sich diese Tätigkeiten auch für das FSSJ anrechnen lässt, "haben wir uns jetzt einfach zunutze gemacht", berichtet Matthias Langhojer, der Ansprechpartner für die FSSJler im Verein. Eine DJK-Mitgliedschaft sei prinzipiell aber nicht notwendig: "Die Stellen werden offiziell ausgeschrieben, jeder kann sich bewerben", betont Langhojer. Der Großteil der FSSJler suche sich aber gezielt eine Stelle aus, berichtet Michael Schmitt von der CariThek, dem Freiwilligenzentrum der Caritas in Bamberg, die das FSSJ in der Region koordiniert.

Einblick in soziale Berufe

Das FSSJ wurde vom Freiwilligenzentrum in Neustadt an der Aisch entwickelt und wird seit 2006 in der Region angeboten. Es soll Schülerinnen und Schülern einen Einblick in soziale Berufe die Bereitschaft zum Engagement fördern. Ein Erfolg: Zwischen 250 bis 300 Jugendliche aus Stadt und Landkreis Bamberg beteiligen sich jedes Jahr am FSSJ. Bisher verzeichnet die CariThek 180 Anmeldungen in diesem Jahr. Schmitt rechnet mit einigen Nachmeldungen. Hat man eine Stelle gefunden, müssen während eines Schuljahres 80 Stunden dort absolviert werden, etwa zwei Stunden in der Woche. Der Einsatz ist auch blockweise in den Ferien möglich.

Lioba Sterzl besucht die 8. Klasse der Staatlichen Realschule Scheßlitz und ist bereits seit acht Jahren in der Laufgruppe Veitenstein aktiv, die auch zur DJK Priegendorf gehört. Im vergangenen Jahr kam ihre Trainerin auf sie zu und hat sie gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, als Betreuerin mitzuhelfen. Da musste Lioba nicht lange nachdenken: "Man lernt dazu, wie man Kinder betreut", erklärt sie ihre Freude am Training. Da es ihr bislang großen Spaß macht, will sie es nächstes Jahr wieder machen. Denn das FSSJ ist mehrmals möglich. Zum Abschluss bekommt man ein Zeugnis, das die Teilnahme bestätigt und über die erworbenen Fähigkeiten und persönliche Stärken informiert.

"Das ist natürlich auch gut für die Bewerbungsmappe!", weiß Langhojer, dessen Sohn ebenfalls ein FSSJ im Verein absolviert. "Mein Vater hat gesagt, ich soll das machen", scherzt Max Langhojer, der in die 8. Klasse des Friedrich-Rückert-Gymnasiums in Ebern geht. Das ist natürlich nicht der einzige Grund. Er hat schon länger mit dem Gedanken gespielt, Lehrer zu werden und möchte von den Erfahrungen profitieren, die er als Betreuer bei der G-Jugend-Fußballmannschaft macht. Dort hilft er zweimal die Woche beim Training - "damit die auch keinen Blödsinn machen", wie er lehrerhaft mahnt. Wie Max hat auch Moritz Schuler, aus der 9. Stufe der Staatlichen Realschule Scheßlitz Spaß an der Betreuung. Er ist selbst bei den "Veitenstein-Bikern" und hilft dort im Winter einmal, im Sommer zweimal die Woche für eineinhalb Stunden beim Mountainbike-Training mit. Moritz möchte sich nächstes Jahr für einen Ausbildungsplatz bewerben: "Irgendetwas Handwerkliches, vielleicht ja Maurer."

Da viele Jugendliche zwar die Angebote im Verein nutzen, nach der Schule aber oft auf und davon sind, möchte man sie langfristig an den Verein binden und bestenfalls später Trainer oder Übungsleiter aus ihnen machen, wie Jonas Trautmann, zweiter Vorsitzender der DJK, erklärt. Dafür können die Jugendlichen im Verein auch den entsprechenden Schein erwerben.

"Es geht uns auch darum, dass die Jugendlichen mit dem Verein zusammenwachsen und wir die nächste Generation heranziehen können", so Trautmann. "Wenn die Hälfte bleibt, haben wir schon viel gewonnen", bestätigt Langhojer.

Eine Win-win-Situation für die Jugendlichen, den Verein und letztlich auch für die Gesellschaft. Denn freiwilliges Engagement ist nicht nur bei Sportvereinen, sondern auch in vielen anderen Bereichen gefragt. Und die Einsatzstellen für ein FSSJ sind vielfältig: Vom Kindergarten bis zum Seniorenzentrum, von der Freiwilligen Feuerwehr bis zum Technischen Hilfswerk, im Tierheim oder bei der Stadtbücherei: Für jeden ist etwas dabei. Ab dem neuen Schuljahr werden die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der CariThek wieder an die Schulen kommen und für das FSSJ werben. Bis dahin können sich interessierte Schülerinnen und Schüler überlegen, ob ein FSSJ für sie in Frage kommen würde.