"Möglichkeiten der Jagdgenossen, auf einen angepassten Wildbestand hinzuwirken." So nannte sich Punkt eins der Tagesordnung der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossen im Bayerischen Bauernverband, Kreisverband Kronach. Sie hatten sich im Gasthaus Detsch in Haig versammelt und diskutierten über dieses Thema durchaus kontrovers. Nicht alle Jagdgenossen sind überzeugt, dass vermehrter Wildabschuss automatisch mehr Baumwachstum hervorbringt.

Armin Heidingsfelder, Diplom-Forstwirt aus Mittelfranken, könnte man durchaus als Hardliner bezeichnen. Er vertrat die Meinung, "dass man bei der Rehwildbejagung mehr Gas geben muss, nicht nur dort, wo Schadflächen entstehen".

Ein Waldbau könne nur mit einem ordentlichen Anteil Naturverjüngung gelingen. Heidingsfelder sprach von Bäumen, die aus dem "Bonsai-Stadium" gar nicht herauskämen. Für das Waldsterben machte er zwar vor allem den Klimawandel, Schädlinge und die Globalisierung verantwortlich, aber auch das Wild kam nicht gut weg. "Nicht nur die Waldbesitzer sind jetzt gefordert, sondern auch Jäger und Jagdgenossenschaften. Und die könnten vor allem bei der Abschussplanung mitwirken." Auf jeden Fall müsse man den "Vollzug der Abschussplanung" stark im Blick behalten. Dieser sei "eine Frage des Preises und der Auswahl des richtigen Jagdpächters". Das Pensum der Abschüsse solle man auf mehrere Schultern verteilen, und deshalb sollten auch mehr Jagderlaubnisscheine ausgegeben werden.

Um die Einhaltung der Abschussziele zu garantieren, riet er zu folgenden Formulierungen: "Der Pächter ist zum Wildschadenersatz verpflichtet. Bei Nichterfüllung des Abschussplanes droht ihm die Kündigung." Zur Kontrolle solle ein "körperlicher Nachweis des erlegten Wildes" dienen.

Abschussprämien befürwortet

Auf der anderen Seite solle man aber nicht nur mit Sanktionen drohen, sondern auch Anreize schaffen. Darunter fielen zum Beispiel die Teilrückzahlung der Jagdpacht, wenn die gewünschten Baumarten ohne Zaun aufwachsen, oder Abschussprämien. Die Jagd müsse man als Dienstleistung sehen, die auch eine "Verpflichtung des Pächters zur Teilnahme an revierübergreifenden Gesellschaftsjagden und die Duldung überjagender Hunde" beinhalte. Am besten sei es, einen Pächter mit der Gesinnung "Wald vor Wild" zu finden.

Heidingsfelder sprach auch über "modifizierte Jagdmethoden" wie den Einsatz von Nachtsichtgeräten, weil Wild ja sehr anpassungsfähig sei. Er machte die Rechnung auf, dass der Wildabschuss immer noch günstiger als beispielsweise ein Zaun sei.

Als auch noch Kreisobmann Erwin Schwarz ins selbe Horn blies, platzte Bernhard Schmitt, dem Vorsitzenden des Jagdschutz- und Jägerverbandes, endgültig der Kragen: "Die Probleme auf das Reh zu schieben, ist grundsätzlich falsch! Bäume muss man pflanzen, schützen und gießen, sonst gehen sie ein."

Schmitt verwies auf die neuen waldbaulichen Förderrichtlinien, bei denen es Gelder für Bäume und ihren Schutz gebe. "Wir Jäger stehen zu unserer Verantwortung und bemühen uns. Aber man muss doch alles differenziert betrachten und vor allem örtliche Gegebenheiten berücksichtigen." Er warnte deutlich vor einer Pauschalisierung der ganzen Situation. Und seine Aussage lautete: "Wald mit Wild". Dass ihm da viele zustimmten, war am Applaus zu hören.

Peter Heller gab noch zu bedenken, man müsse das Wild, das man schießt, ja auch loswerden. Deshalb solle man Netzwerke gründen, um eine Verwertung der Tiere sicherzustellen.

Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest stand anschließend auf der Tagesordnung, weil viele Seuchenherde in unmittelbarer Nähe zu Deutschland liegen. Die Krankheit grassiert nämlich bereits in Polen, Belgien, der Slowakei und Ungarn. Klaus Dressel, der Sachbearbeiter "Tierseuchenrecht" im Kronacher Landratsamt, verwies auf einen ministeriellen Rahmenplan für den Ernstfall. Ein Bergeteam in Brauersdorf solle das Wild über eine Koordinatenbestimmung finden, die Fundstelle markieren und anschließend die Sau unter Einhaltung strikter Vorsichtsmaßnahmen bergen und zur Verwahrstelle bringen. Derzeit seien die Bauhöfe in Birkach und in Ludwigsstadt sowie der Wertstoffhof in Wallenfels als zentrale Verwahrstellen vorgesehen. Klaus Dressel: "Wir können aber auch auf gemeindliche Bauhöfe ausweichen."

Für das administrative Geschäft sei ein Krisenstab im Landratsamt zuständig. Dieser lege beispielsweise die Errichtung von Sperrzonen fest. Wie man vorgehen soll, wenn man einen verdächtigen Wildsaukadaver findet, erkläre ein Formblatt. Die Seuche sei zwar für den Menschen unschädlich, räumte er ein, "aber es entsteht enormer volkswirtschaftlicher Schaden, wenn sie in den Hausschweinbestand verschleppt wird". Dann nämlich werde die Bundesrepublik Deutschland als Seuchengebiet deklariert und mit einem Embargo bestraft.

Der Sachgebietsleiter für Veterinärwesen und Verbraucherschutz im Landratsamt Kronach, Markus Heckel, erklärte, wie man sich verhalten muss, wenn man am Wochenende einen Tierkadaver sichtet. Man solle die Fundstelle kennzeichnen, aber auf gar keinen Fall selbst eine Beprobung auf die Seuche vornehmen. Es reiche, wenn am Montag Polizei oder Landratsamt verständigt wird. Dafür winke eine Prämie von 20 Euro.

Ganz anders sehe es im Ernstfall aus, wenn die Seuche schon nachgewiesen ist: Dann rücke ein Krisenteam aus, um Maßnahmen zu ergreifen. Ein intensiver Kontakt mit der hiesigen Jägerschaft und ein Fallwild-Suchkonzept seien die Mittel, auf die man schon zur Vorbeugung setze.

Anspruch auf Entschädigung

"Hotspots" der Tierkadaver befänden sich vor allem da, wo es Wasserquellen und genügend Deckung gibt. Dahin nämlich zögen sich die Tiere zum Sterben zurück. "Wird tatsächlich ein verseuchtes Tier gefunden, dann tritt das Tierseuchenrecht in Kraft, und das bedeutet für dieses Gebiet Jagdruhe, Ernteverbote, Betretungs- und Bewirtschaftungsverbote. Wird eine Maßnahme angeordnet und Ihnen entsteht ein Schaden, dann sind Sie entschädigungsberechtigt."

Allerdings sah Heckel jetzt schon für den Ernstfall böse Auseinandersetzungen zwischen Tierschützern, Naturliebhabern, Jagdhassern und den Keulteams: "Machen wir uns nichts vor - das wird ein Gemetzel geben." ml