N eulich bekam ich einen ganzen Stapel Zeitschriften, Prospekte und Briefe vom Postboten in die Hand gedrückt. Nach kurzem Durchsehen habe ich etliches gleich in die Papiertonne getan.
In der ganzen Post war auch ein Kuvert - handgeschrieben. Ein Brief von einer lieben Freundin. Ins Kuvert hatte sie noch eine Karte gelegt mit einer Skulptur aus dem Mittelalter. Unschwer zu erkennen ist Jesus, der die Hand eines Menschen hält, der sich mit seinem Kopf an Jesu Schulter lehnt. Der andere Mann, es ist ein Jünger Jesu mit Namen Johannes, macht einen vertrauensvollen und entspannten Eindruck, wie einer, der sich gerade ausruht. Jesus legt ihm eine Hand auf die Schulter, so als wolle er sagen: Das darfst du getrost, dich bei mir ausruhen, dich mir überlassen.
Als ich die Karte noch eine Weile betrachtete, stellte ich mir vor, dass ich die Person bin, die anstelle von Johannes neben Jesus sitzt, seine Nähe genießen darf. Ihm alles sagen kann, womit ich mich so abplage, was mich umtreibt und mir mitunter auch die Lebensfreude verdirbt.
Wie wohltuend das ist, wenn man jemanden hat, dem man alles sagen kann, was einem auf dem Herzen liegt, der zuhört und versteht, ohne gleich kluge Ratschläge zu geben oder mit Unverständnis zu reagieren.
Jesus wirkt zugewandt, sein Gesichtsausdruck verstehend und verständnisvoll. Er nimmt die Not der Menschen an und macht sie zu seiner eigenen Not. Es ist ihm nicht egal, wie es uns geht. Und gut zu wissen: Er hat auch den Überblick und den Masterplan über unser Leben, weil er Gottes Sohn und unser Retter ist. Der Schreiber des Hebräerbriefes formuliert es treffend: "Es ist also noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes". (Hebr 4,9). Das klingt wunderbar!
Dieses Kunstwerk aus dem Mittelalter könnte aktueller wohl nicht sein. Gerade in unserer heutigen Zeit, wo alles so voller Unruhe ist, die Menschen zunehmend an Angst leiden, sich unsicher fühlen und viel aushalten müssen, ist Jesus da, bereit für Sie, für mich, für jeden, Ruhe und Geborgenheit zu schenken. Bei ihm dürfen wir uns sicher
fühlen.
Meine Freundin wollte mir mit der Karte Mut machen und schrieb hinten drauf: "Auch wenn du Jesus nicht sichtbar neben dir hast, so darfst du doch wissen, er ist für dich da und hört dir zu, weil du ihm wertvoll bist und er will, dass dein Leben gelingt." Der Kartengruß hat mich tief bewegt. Ich habe die Karte aufgestellt auf meinem Schreibtisch, so dass ich sie mir immer anschauen kann im Bewusstsein: Jesus hat einen Platz für mich frei; zu ihm darf ich kommen, so wie ich bin.


Was auf der Seele liegt...

Er lädt auch Sie ein, zu ihm zu kommen, ihm alles anzuvertrauen, was Ihnen auf der Seele liegt, und seine heilvolle Nähe zu genießen, wie es der Jünger Johannes auf dem Bild gerade tut. Dazu wünsche ich Ihnen den nötigen Mut, sich darauf einzulassen. Eine gesegnete Sommerzeit.

(Claudia Winterstein ist evangelische Pfarrerin in Hellingen.)