Teils sehr turbulent ging es am Mittwochabend bei der Bürgerversammlung im Münnerstädter Rathaus zu. Der frühere Stadtrat Norbert Reiter (CSU) bezeichnete Leo Pfennig (fraktionslos) unter anderem als "politisch heimatlosen Gesellen".


Schäufelchen geklaut?

Der Bürgermeister habe seinen Bericht sehr sachlich vorgetragen, lobte Norbert Reiter. In verantwortungsloser und schamloser Weise werde der Ruf der Stadt Münnerstadt von Stadträten zunichte gemacht. Es gebe "Korinthenkacker". Es gehe nicht mehr um die Sache. "Es geht im Wesentlichen darum, dem Bürgermeister eine reinzuwürgen", betonte Reiter. Er sprach von einem "politisch heimatlosen Gesellen", womit er den fraktionslosen Leo Pfennig meinte. Er frage sich, ob Helmut Blank als Kind Leo Pfennig im Sandkasten mal ein Schäufelchen weggenommen habe, dass der so agiert. "Man versucht mich abzuschießen", bekräftigte auch Helmut Blank, der ankündigte, dass er von der Rechnungsprüfungsstelle keine Entlastung bekommen werde. Der Stadtrat müsse erreichen, "dass wir nicht eine Person bloßstellen, sondern gemeinsam arbeiten", sagte er. Mehrfach wurde die Stadtratsarbeit in dieser Sitzung noch angesprochen. "Die Münnerstädter haben langsam von diesem Stadtrat die Schnauze voll", betonte beispielsweise Wolfram Graeber.
Norbert Reiter erinnerte an die Gründung von Kultoursimus im Jahr 2009. Man habe die Kulturarbeit außerhalb der Stadt ansiedeln wollen. Seit dem sei dort eine "hervorragende Arbeit" gleistet worden. Er rechnete vor, dass die neue Ausrichtung der Stadt wesentlich teurer käme. Er wollte wissen, welches Konzept dahinter steckt. "Es gibt kein Konzept", so die Aussage von Helmut Blank. Für die Arbeit von Kultourismus gab es auch nach einem Lob von Sabine Scheuble spontanen Applaus.
Helmut Blank sagte, dass bei einer Wirtschaftsprüfung eine Person von Kultourismus mit einer Panikattacke zusammengebrochen sei. Es gebe auch ein Mobbing-Verfahren.
"Ich bewundere die Art der Inszenierung", meldete sich Leo Pfennig zu Wort. "Auf Ihr Niveau möchte ich mich nicht begeben", sagte er zu Norbert Reiter. "Das glaube ich, da kommen Sie auch nicht hoch", konterte der. Leo Pfennig wollte noch etwas klar stellen: Von ihm und seinen Mitstreitern sei der erste Antrag gekommen, Kultourismus zu reformieren, ohne Erfolg. Daraufhin hatten Klaus Schebler (Neue Wege) und Michaela Wedemann (CSU) einen Antrag gestellt, die Rückführung von Kultourismus in die Stadt vorzubereiten. Elf zu acht ging diese Abstimmung aus, unter den Befürwortern war Blank. Der letzte Beschluss war dann einstimmig. "Man muss schon bei der Wahrheit bleiben", sagte Pfennig. Er habe ja auch nie gesagt, dass er nicht dabei war, entgegnete Blank. Aber: "Seitdem Sie im Stadtrat sind, haben wir ein Problem." "Und Sie haben ein Problem mit der Wahrheit", lautete die Antwort Pfennigs.
Während der Diskussion meinte Leo Pfennig, dass Norbert Reiter sich in Stellung für die nächste Bürgermeisterwahl bringe. Das wies dieser zurück. Er werde kandidieren, sagte Reiter, aber nur für das Amt eines ehrenamtlichen Bürgermeisters. Für das normale sei er zu alt. Dem widersprach Pfennig aber. Es gebe mehrere Stadträte der CSU, die nicht mehr zu den Sitzungen kommen, erläuterte Helmut Blank. "Die haben Angst." "Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Norbert Reiter und Helmut Blank den Auftritt gut inszeniert haben, sagte Pfennig später zu dieser Zeitung.