Nordhalben — Zu einer Informationsveranstaltung mit dem Thema: "Ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge in Nordhalben" hatte Bürgermeister Michael Pöhnlein (Freie Wähler) eingeladen.
Geleitet wurde die Veranstaltung, an der mehr als 20 Interessierte teilnahmen, von Jonas Müller vom Fachdienst für Migration und Integration des Diakonischen Werks in Kronach. Er und seine Mitarbeiterin Burgunde Brauer stellten zunächst die Aufgaben- und Einsatzbereiche dieses Fachdienstes vor, der Migranten berät und auf vielfältige Weise bei der Integration hilft.
In der Diskussions- und Fragerunde berichteten Bürger von ihren bisherigen Kontakten mit 27 Flüchtlingen, die Nordhalben zwischenzeitlich beherbergt. Hauptproblemkreise sind die Beförderung der Familien zu Arzt- oder Ämterbesuchen nach Kronach. Hohe Kosten, aber auch ein zeitlich unzureichender Fahrplan machten diesen Menschen, die von Hartz IV leben, die größten Probleme. Aber auch logistische Anforderung bei Kleider-Sammlungen, die Sortierung, akzeptable Lagerung und schließlich die Ausgabe betreffend, würden freiwilligen Helferinnen vor Ort Kopfzerbrechen bereiten.
Schließlich müsse gewährleistet sein, dass Kinder ordnungsgemäß die Schule besuchen könnten und dass Deutsch-Förderkurse in angemessenem Umfang angeboten und dann auch regelmäßig besucht werden.
Am Ende waren sich alle einig, dass die Erstellung einer Begrüßungsmappe notwendig sei. Hier könne sich der Ort auf einem Ortsplan mit Geschäften, wichtigen Adressen wie Arztpraxen, Apotheke, Verwaltung und anderen infrastrukturellen Einrichtungen präsentieren. Auch das für persönliche Kontakte so wichtige Freizeitangebot mit den Vereinen, Schwimmbad und anderes mehr könnte einladend dargestellt werden. Dabei müsste über akzeptable Finanzierungsmöglichkeiten nachgedacht werden. Schließlich müsste für Übersetzungen in die entsprechenden Heimatsprachen - zunächst einmal irakisch, ukrainisch und albanisch - gesorgt werden. Hier bot bereits das Diakonische Werk seine Unterstützung an.

Spielen die Bürger mit?

Das Hauptproblem sei aber von grundsätzlicher Art: Wie weit lassen sich die Bürger auf persönliche Kontakte mit Flüchtlingen ein, die eventuell eine neue Heimat suchen, aber vielleicht auch wieder in ihr Herkunftsland zurück möchten? Wie weit geht die Bereitschaft, sich auf emotional unsicherem Gebiet zu öffnen und persönliche Kontakte zu knüpfen? Wie weit geht die Lernbereitschaft, in Flüchtlingen mögliche Neubürger mit guten Berufsabschlüssen, mit lernbereiten, aufgeschlossenen Kindern, die seit langem freie Ausbildungsplätze hier besetzen könnten, zu sehen? hfp