Am 2. Oktober jährt sich der Todestag des Stifters Karl von Hess zum 150. Mal. Aus diesem Anlass bot der Hobby-Historiker Franz Josef Schneider eine zweiteilige Vortragsreihe an. Der erste Teil widmete sich der von "Von-Hess-Straße", die 1834 noch Amtsgasse hieß. Die älteste Straße in Hammelburg wurde erstmals 716 benannt. Im Amtsbezirk befand sich die Kirche, Pfarrhaus, Probstei, Oberamtshaus, Dechanei und der Mönchshof. Der heutige Marktplatz gehörte dazumal nicht zum Amtsbereich.

1934 wurde die Straße umbenannt in die "Von-Hess-Straße" und die Häuser bekamen neue Hausnummern. Anhand der Karte von 1846 lassen sich folgende Anwesen zuordnen: In der Nr. 2 Schreinerei Höfling und Robert Höfling, in Nr. 8 befand sich 1852 die Wein- und Gartenwirtschaft A. Kaiser, in Nr. 10 das Gefängnis, früher Fronfeste genannt und in Nr. 12 das Bezirkskrankenhaus. In Haus Nr. 18 wohnte im 19. Jahrhundert eine Familie namens "Steinthal" und in Nr. 19 befand sich die Schreinerei Dornbusch. Dieses Gebäude wurde ein Wohnhaus und die Schreinerei erwarb das Anwesen Haus Nr. 32, heute der "Generationentreff Taubenschlag". 1934 gab es diese Nummer noch nicht, was vermuten lässt, dass es sich um ein Teilgrundstück der nachbarlichen Anwesen handelt.

Karl von Hess (1788-1872) absolvierte sein Abitur an der damaligen Hammelburger Lateinschule. An der Universität Würzburg studierte er 1807 Philosophie und Landwirtschaft und bewirtschaftete bis 1835 ein Gut in Schwärzelbach. In Bad Kissingen baute er ein Kurhotel, das später gemeinsam mit dem Hotel "Kaiserhof" zum jetzigen Kaiserhof Viktoria wurde. Im Testament vom 15. August 1870 vermachte er sein Erbvermögen, 288.000 Gulden, heute etwa zehn Millionen Euro, der Stadt Hammelburg, aber nur "für wohltätige Zwecke". Er erbte auch das Vermögen der verstorbenen Brüder, Friedrich Georg und Bernhard Franz. Alle drei Brüder blieben kinderlos. Auf dieser Basis entstand die "Carl-von-Heß'sche Sozialstiftung", die am 2. März 1873 von König Ludwig II. genehmigt wurde. Auch die Hammelburger Pfarrkirche, die Bürgerspitalstiftung, die Seelenhausstiftung, die Freiwillige Feuerwehr, sowie Fortbildungsschule, Lateinschule Kloster Altstadt und Arme und Schulkinder wurden bedacht. Karl von Hess starb im Alter von 84 Jahren am 2. Oktober 1872 in Bad Kissin-gen. Er wurde auf dem Hammelburger Friedhof in der Grabkapelle bestattet.

Im November wird Franz Schneider über den Bau der Kapelle und wer in der Familiengruft von Hess beigesetzt wurde, berichten. Der Vortrag wird im Generationentreff Taubenschlag in der Von-Hess-Straße 32 stattfinden. Der Termin wird noch bekanntgegeben. red