Kreis Kronach — Schulamtsdirektor Uwe Dörfer erinnert sich noch gut an Stefan Wich-Herrlein, von dem er weiß, dass er gerne im Frankenwald geblieben wäre. Doch für Oberfranken sei die Versetzung von jungen Lehrern in den Süden Bayerns ganz normal.
"Sie kommen nach dem ersten Staatsexamen zu uns, werden dann auf die Schulen verteilt", erklärt Dörfer das Prozedere bei der Lehrerausbildung. Grund- und Mittelschullehrer halten in ihrem ersten Schuljahr acht Stunden eigenverantwortlich Unterricht, darüber hinaus hospitieren sie und haben zwei Seminartage pro Woche. Im zweiten Jahr steigt der Anteil des eigenverantwortlichen Unterrichts auf 15 Schulstunden. "Danach kommt das zweite Staatsexamen." Und dann? Dann sind die jungen Leute meistens weg.
Wer die Vorgaben bei seiner Prüfung erfüllt, kann Beamter auf Probe werden. Im vergangenen Jahr lagen die dafür notwendigen Notendurchschnitte im zweiten Staatsexamen bei 2,29 für Grundschul- und bei 3,02 für Mittelschullehrer. Wer schlechter abschneidet, kann sich bis zu fünf Jahre auf die Warteliste setzen lassen, danach wird er oder sie gestrichen.
Wer aber nicht nur Beamter, sondern auch in Oberfranken eingesetzt werden möchte, muss jedoch deutlich mehr leisten. "Die fünf Prüfungsbesten aus der Region dürfen in Oberfranken bleiben", nennt Dörfer die hohen Anforderungen. Auch wer verheiratet ist und Nachwuchs hat, wird von einer Versetzung quer durch Bayern verschont. Ansonsten sind die jungen Lehrer hier nicht zu halten. Dabei schränkt der Schulrat ein, dass es zwar immer wieder junge Lehrer gebe, die gerne hier bleiben würden, andererseits gebe es aber auch viele, die sich über eine Stelle in einer Metropole freuten.
Meistens führt der Weg der Versetzten nach Oberbayern, "weil dort ganz einfach der Bedarf besteht", zeigt Dörfer ein gewisses Verständnis für das System. Ein kleiner Vergleich macht die Ursachen hierfür deutlich: "Alleine die Stadt München verzeichnete zuletzt 13 000 Geburten, Tettau sechs - da sieht man die Relationen." Die Lehrerschaft in Oberfranken sei inzwischen zwar im Durchschnitt relativ alt, doch rückläufige Schülerzahlen bedeuteten auch weniger Klassen und somit einen sinkenden Lehrerbedarf, weiß der Schulamtsdirektor. Daher sei trotz des absehbaren Ausscheidens älterer Lehrer auf Sicht nicht mit einem großen Einstellungsschub bei uns zu rechnen.

Widerstand ist zwecklos

Auch ein Widerstand gegen die Versetzung falle auf keinen fruchtbaren Boden, erinnert sich Dörfer an vergebliche Unterschriftensammlungen aus dem Elternkreis für den Verbleib von Lehrern oder an das Einschalten der heimischen Politiker. Was also tun, wenn ein Lehrer unbedingt in einer ländlichen Region arbeiten will, in der er sich verwurzelt fühlt? Da sieht Dörfer nur wenige Möglichkeiten. Und die Alternativen stellen die Betroffenen vor eine entscheidende Frage: Beamtenstatus oder Heimatnähe? In Thüringen oder Sachsen gebe es keine verbeamteten Lehrer, und auch an Privatschulen könnten sich Möglichkeiten eröffnen. Doch mit einem Angestelltenvertrag sei ein junger Mensch beruflich eben nicht so abgesichert wie durch den Beamtenstatus. Daher würden letztlich viele in den sauren Apfel des Wegzugs beißen.
Für die Region bedeutet das eine weitere Niederlage im Kampf gegen die Überalterung. Und für die Lehrerschaft, das weiß Dörfer, geht "ein frischer Wind" verloren, den junge Kräfte mitbringen könnten. mrm