Aus dem Bereich der gesamten Erzdiözese Bamberg kamen die Delegierten der katholischen Männervereine in der Höchstadter Kulturfabrik zusammen, um ihre Jahresversammlung abzuhalten. Anlässlich des 100. Jubiläums des örtlichen Männervereins St. Michael wählten die Verantwortlichen des Erzbistums Höchstadt als Veranstaltungsort aus. Hausherr und Vereinsmitglied Bürgermeister Gerald Brehm sowie der Ortsvorsitzende Peter Baier erinnerten in ihren Grußworten an den im März verstorbenen Höchstadter Heimatforscher und Ehrenvorsitzenden des Männervereins, Georg Söhnlein, in Würdigung seiner Verdienste.

Stadtpfarrer Kilian Kemmer verwies auf den Erzengel Michael als Patron des Höchstadter Vereins. Die allegorische Deutung der biblischen Gestalt St. Michaels erinnere an die Aufgabe und reale Möglichkeit eines Christen, das Böse überwinden zu können, so Kemmer mit Blick auf die in diesem Jahr vom Verein gestiftete Figur des Heiligen in der Stadtpfarrkirche.

Als Ehrengast und Festredner begrüßte der Bamberger Diözesanmännerseelsorger, Diakon Michael Schofer, den ehemaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein. In seinem Referat ging der bekennende evangelische Christ auf das Verhältnis von Kirche und Politik ein. In einem großen Bogen behandelte Beckstein die "systemrelevanten Aufgaben" der Kirche in der Pandemiekrise sowie als Partnerin des Staates in den unterschiedlichsten sozialen Handlungsfeldern und "als ethisch, kritisch mahnende und erinnernde Stimme religiöser Überzeugung".

Zehn Gebote als Maßstab

Die Flüchtlings-, Friedens- und Umweltpolitik bezeichnete Beckstein als besonders spannende Themenbereiche in Politik und in der Kirche. Ausgangspunkt für jedes Handeln in der Gesellschaft müsse nach Beckstein die Menschenwürde bleiben, die "einem Wirtschaftsmanager genauso und gleichwertig gebührt wie einem Hartz-IV-Empfänger". Maßstab eines christlichen Politikers, unabhängig von seiner Parteizugehörigkeit, seien nach wie vor die zehn Gebote.

Auch den Umgang von christlichen Politikern über Parteigrenzen hinweg stellte Beckstein als exemplarisch in seiner Vorbildfunktion dar. "Mit Claudia Roth streite ich mich sehr hart in inhaltlichen Fragen, privat spielt das keine Rolle. Und mit Renate Künast konzipieren wir gerade eine gemeinsame Buchpublikation. Persönlichen Hass und Feindschaft kenne ich dabei nicht und habe ich noch nie gegenüber einem politisch anders denkenden Kollegen gekannt." Mit einem Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche endete der Diözesanmännertag in Höchstadt. red