Es gibt diese Tage in einem Läuferleben, an denen einfach alles passt. Dann verschmelzen Kopf und Körper zu einer Einheit. Die Beine bewegen sich in einem unsichtbaren Takt. Einen solchen "goldenen Tag" erlebte Florian Beck vom SV Bergdorf-Höhn beim Allgäu-Panorama-Marathon. Der 26-Jährige siegte für alle Beobachter überraschend beim größten Trail-Wettkampf des Allgäus. Die 42,3 Kilometer lange und mit 1400 Höhenmetern gespickte Strecke im teils alpinen Gelände absolvierte er in 3:13:54 Stunden. Sein Vorsprung auf den Zweitplatzieren: Knapp fünf Minuten.

Im Vorfeld hat der Rossacher seine neue Leistungsfähigkeit bereits angedeutet, in dem er im Frühjahr die zehn Kilometer und den Halbmarathon beim Lange-Bahn-Lauf gewann, sowie den zweiten Platz beim Schneekopflauf erlief (wir berichteten). Mit der erneuten Leistungsexplosion schwingt sich Beck nun zum wohl schnellsten Läufer des Landkreises auf.

"Es war das Rennen, auf das ich mich in den vergangenen Wochen und Monate vorbereitet habe und zugleich auch das mit Abstand längste Rennen meiner Karriere. Dennoch: Der Sieg war sowohl für mich als auch alle anderen Anwesenden eine echte Überraschung", sprudelte es aus dem sympathischen Höhner Läufer heraus. Und weiter: "Ich hatte mir im Vorfeld das Ziel einer Top-Fünf-Platzierung gesetzt. Vorausgesetzt ich komme gut durch und kann auf den finalen acht, leicht abschüssigen Kilometern meine Schnelligkeit ausspielen."

Becks "Match-Plan" ging voll auf

Diesen "Match-Plan" setzte Florian Beck mustergültig in die Tat um. Von Beginn an hielt er sich zunächst kraftsparend in der siebenköpfigen Verfolgergruppe mit Kontakt zur Spitze. Nachdem es ab Kilometer drei in einen längeren Anstieg hinein ging, löste sich Beck gemeinsam mit einem Verfolger. Bis Kilometer 25 liefen die beiden Seite an Seite. Dann blies der vermeintliche Mitstreiter bergab zur Attacke. Doch Beck konnte diese mitgehen, ehe er im flacheren Teil selbst zur Attacke ansetzte und sich absetzte. Bei Laufkilometer 30 lief Beck auf den bis dato Führenden auf und zog wenig später sogar vorbei.

Dramatische Schlussphase

Dann wurde es sogar noch einmal dramatisch: "Auf den letzten neun flachen Kilometern hatte ich Angst, dass noch irgendeiner der Favoriten von hinten heran fliegt. Ich bin von Krämpfen geplagt nur noch einen konstanten Schnitt von 3:30 bis 3:50 Minuten pro Kilometer ins Ziel gelaufen." Dies reichte nicht nur, um den Vorsprung zu halten, sondern ihn bis ins Ziel sogar auf 4:49 Minuten auszubauen.

Überglücklich überquerte Florian Beck schließlich nach 3:13:54 Stunden die Ziellinie in Sonthofen. Dies bedeutete die viertschnellste je gelaufene Zeit auf dieser Strecke sowie Rekord in der Männer-Hauptklasse (M20 bis 30) - und der wohl bisher größte Sieg des 26-Jährigen in seiner Läuferkarriere.

Neuwald eine (Alters-)Klasse für sich

Ebenfalls beim Allgäu-Panorama-Marathon am Start war Andreas Neuwald. Anders als Florian Beck hat sich der 53-Jährige bereits seit vielen Jahren auf die langen Läufe spezialisiert. Hier spielt er regelmäßig seine Klasse aus. So auch diesmal über 42,3 Kilometer und 1400 Höhenmeter. Nach guter Renneinteilung - er überholte vor allem im zweiten Teil noch einige Läufer - kam Neuwald als starker 14. der Gesamtwertung in diesem Top-Teilnehmerfeld ins Ziel.

Mehrere Jungspunde distanziert

Er ließ einige Jungspunde hinter sich und holte sich in beeindruckender Manier den Altersklassensieg in der M55. Hier lag er sagenhafte 23 Minuten vor dem Zweitplatzierten. Selbst die M50 hätte Neuwald mit dieser Spitzenleistung noch locker gewonnen. "Alter schützt vor Leistung nicht", so der Kommentar des trainingsfleißigen Höhners im Ziel. dgö