Christiane Reuther

Der Kreisverband des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) hatte zum ersten "Behördentreff" im Landkreis Haßberge eingeladen. In umgezwungenem Rahmen in der Mäders-Scheune konnten sich die Vertreter der Behörden und der Landwirtschaft kennenlernen und austauschen. Zudem bezog BBV-Obmann Klaus Merkel vom Gut Mariaburghausen eine klare Position für die Zukunft von bäuerlichen Familienbetrieben und für die Stärkung des ländlichen Raums.
Die Landwirtschaft hat im Rahmen ihrer Tätigkeit und Produktionsabläufe ständig Berührungspunkte mit Behörden. So ergriff eingangs Landrat Wilhelm Schneider das Wort und zeigte sich dankbar für die Arbeit in der Landwirtschaft, die allen zugute komme. Die Belange der Landwirtschaft seien vielseitig, wie das Baugesetzbuch, das Veterinär- und Naturschutzrecht, das Wassergesetz oder die Straßenverkehrsordnung. Dass es auch manchmal in den Berührungspunkten auseinandergeht, dessen ist sich Landrat Schneider sicher. Deshalb sei es auch wichtig, bei unterschiedlichen Meinungen ein klärendes Gespräch mit den Vertretern der Behörden zu führen.
Der Bayerische Bauernverband sieht sich nach Aussage von Obmann Klaus Merkel als Vertreter der konventionell und der biologisch wirtschaftenden Landwirtschaft. Beide Bewirtschaftungsformen dienten aus Sicht des Verbandes der Ernährungssicherheit und der Pflege der Kulturlandschaft. Daher sei ein gegenseitiges Verständnis zwischen Landwirtschaft und Behörde enorm wichtig.
Die grundsätzlichen Eckpunkte des Obmannes lagen im klaren Bekenntnis zu den bäuerlichen Familienbetrieben als wirtschaftliche und gesellschaftliche Säulen im ländlichen Raum. Merkel forderte, die breite Eigentumsstruktur aufrechtzuerhalten und das "Bauernland in Bauernhand" zu behalten.


Hoffnung: Der Wolf kommt nicht

Auch auf das nachhaltige Wirtschaften aus ökonomischer, ökologischer und sozialer Sicht ging Merkel ein. Die für den Landkreis wichtigen Themen wie Wildgänse, Biber, afrikanische Schweinepest und die Wildschweinpopulation sprach er ebenfalls an. Merkel äußerte gleichzeitig die Hoffnung, dass der Wolf den heimischen Bauern nicht in die Quere komme.
Ein weiteres Thema war das Kernwegenetz, zu dem Otmar Porzelt vom Amt für ländliche Entwicklung (ALE) Würzburg sagte: "Der Wegeausbau ist Sache der Kommunen und für viele Gemeinden nicht finanzierbar." Deshalb sei man auf Zuschüsse angewiesen, die unterschiedlich hoch sein könnten.
Auf die Flächenabgabe an das staatliche Bauamt und auf die Düngeverordnung ging Obmann Merkel ein. Er sprach seine Hoffnung aus, "dass die Landwirte mit den Vertretern der Justiz und der Polizei wenig zu tun haben".
Auch hier könne man vieles durch Gespräche im Vorfeld klären, versicherte Kurt Etzel von der Polizeiinspektion Haßfurt.


Rückgang an Tierzahlen

Ein weiteres Schlagwort war der Glyphosat-Einsatz. Man darf laut Merkel generell nicht alle Pflanzenschutzmittel verteufeln und die Vorteile verkennen. In puncto Selbstversorgungsgrad berichtete Merkel von einem Rückgang an Tierzahlen. Ein Generationenwechsel, der technische Fortschritt und der Bürokratismus bei den Gesetzesvorlagen seien nicht zu unterschätzen. "Der Landwirt muss am Ende der Kette das Ganze ausbaden", gab Merkel zu bedenken. Solange aber die Arbeit in der Natur noch Spaß macht, würden Landwirte, zu denen sich auch Klaus Merkel zählt, weitermachen, wie er sagte.
Kreisbäuerin Cäcilie Werner aus Wonfurt stellte die Arbeit der Landfrauen vor, bei der vor allem das soziale Engagement im Vordergrund stehe. Die Öffentlichkeitsarbeit mit Besuchen in den Schulen, die Erwachsenenbildung und die Gesundheitsaufklärung mit Referenten aus der Region gehörten zum weiten Spektrum der Landfrauentätigkeit. Die Institution der Landfrauen im Landkreis könne in diesem Jahr das 70-jährige Bestehen feiern. Aus diesem Anlass erscheine ein Backbuch mit alten und neuen Rezepten. Zudem verwies die Kreisbäuerin auf den Landfrauentag, der nächste Woche in Zeil stattfindet.
Mit dem Kommentar "Wer nicht genießt, wird ungenießbar" lud die Kreisbäuerin zum anschließenden Buffet ein.