Mit einer neuen Kampagne unter dem Motto "Rücksicht macht Wege breit" will der BBV Coburg um ein respektvolles Miteinander aller Verkehrsteilnehmer auf land- und forstwirtschaftlichen Erschließungswegen werben und an die Vernunft appellieren. Flyer und Hinweisschilder sollen sensibilisieren.

Wenn Bulldog, Schlepper oder Mähdrescher zu Pflege- und Erntearbeiten zu den Feldern fahren, kommen sie nicht selten in Kollision mit Freizeitradlern, Wanderern oder Autofahrern. Tonnenschwer, können die Riesen auf den Wirtschaftswegen nicht ausweichen, ohne Gefahr zu laufen, auf Banketten oder gar im Graben zu landen. Da mal kurz vom Rad zu steigen, am Wegesrand Halt zu machen, sollte eigentlich kein Problem und Gebot der Vernunft sein.

Start in Ebersdorf

Aber was Bernd Reisenweber, Bürgermeister in Ebersdorf, und Gernot Lindner, Landwirt und Vorstand der Jagdgenossenschaft Frohnlach, da manchmal erleben, spottet jeder Vernunft. Mit einer neuen Kampagne will der BBV Coburg nun um gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer auf landwirtschaftlichen Wirtschaftswegen werben und ist in Ebersdorf an den Start gegangen.

Im Prinzip, sagt Bürgermeister Reisenweber, wäre das doch ganz einfach, wenn das allgemeine Seefahrtsrecht gelten würde: Kleinere Fahrzeuge weichen den Großen aus, weil die wendiger sind. Leider auf dem Lande weit gefehlt.

Dabei, erklärt Kreisobmann Martin Flohrschütz, fahren die Bauern schließlich nicht aus Spaß mit ihren großen Maschinen raus. Feld- und Wiesenwege führen die Landwirte zu ihren Äckern, Wiesen und Wäldern, wo das Futter für die Nutztiere wächst und hochwertige Nahrungsmittel produziert werden.

Gegenseitige Rücksichtnahme und Toleranz wären durchaus mehr als angebracht. "Große Maschinen können aufgrund ihrer enormen Achslasten nicht ausweichen, ohne Gefahr zu laufen, Schäden zu verursachen oder zu erleiden", sagt Flohrschütz.

Wirtschaftswege werden oft von Radfahrern frequentiert, weiß auch Heide Bauersachs und fügt hinzu, dass es auch viele vernünftige Radfahrer oder Wanderer gebe, die kurz am Rand anhalten und den Bauer mit Schlepper oder Mähdrescher passieren lassen.

Aber es gebe auch noch ein anderes Problem: Oftmals stellen Bürger ihre Autos an Wegeeinfahrten ab, die dann ein Wendemanöver für große Maschinen unmöglich machen. Davon kann Landwirt Gernot Lindner ein Liedchen singen. Dabei, erklärt er, seien es doch die Landwirte, die zum großen Teil Wegebau und Instandsetzung mit finanzieren. Beispielsweise würde die Jagdpacht auf Beschluss der Jagdgenossenschaft alljährlich in den Wegebau investiert, was schließlich allen zugute komme.

Die Kampagne geht noch weiter. Auf dem Hinweisschild wird nicht nur darum gebeten, land- und forstwirtschaftlichen Fahrzeugen die Vorfahrt zu gewähren, sondern auch darum, auf den Wegen zu bleiben, weder Äcker noch Wiesen zu betreten, keine Hundekottütchen oder Müll liegen zu lassen.

Das Betreten der Vegetation, darauf macht Kreisgeschäftsführer Hans Rebelein aufmerksam, sei seit 1. April ohnehin verboten. "Das Schlimmste aber", schüttelt Rebelein mit dem Kopf, "ist, wenn Hundekot in Plastiktütchen einfach in die Wiese oder ins Feld geworfen wird. Das ist die Katastrophe hoch drei."

Genau das hat Gernot Lindner schon oft beobachtet und ist empört. Dabei, so Reisenweber, seien entlang der Wege doch Mülleimer aufgestellt worden.

Am Sylvia-Stadion, wo das erste Hinweisschild auf die Kampagne angebracht wird, liegt am Wegesrand auch gleich ein Beispiel für illegale Müllentsorgung: Hier entsorgte jemand Bauschutt.

Die Flyer werden nun in den Rathäusern ausgelegt, die Hinweisschilder können die Kommunen beim BBV anfordern. Die Textdatei kann per E-Mail versandt, dann laminiert und an exponierten Standorten angebracht werden.