"Wir stoßen bei der Gestaltungssatzung immer wieder an unsere Grenzen." So fasste Bürgermeister Helmut Blank (CSU) die Wortbeiträge zu einem Bauantrag in der Münnerstädter Altstadt zusammen. Die Satzung müsse dringend überarbeitet werden. Aber nicht nur das. Auch manche alte Bebauungspläne haben dermaßen viele Vorgaben, dass die Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses jedes Mal eine Vielzahl von Befreiungen aussprechen müssen. In Zukunft sollen Bauwillige von vornherein viel mehr Spielraum bekommen.


Einvernehmen erteilt

Zunächst ging es aber erst einmal um die Vergrößerung eines Einfahrtstores und den Einbau eines Ausfahrtstores auf einem Grundstück in Großwenkheim, wofür das gemeindliche Einvernehmen erteilt wurde. Die Ausschussmitglieder genehmigten ebenso einen Antrag des FC Reichenbach, der verschiedene bauliche Veränderungen im Sportheim vornehmen will.
Gleich fünf Befreiungen von den Festsetzungen des Bebauungsplans beinhaltete ein Bauantrag über den Neubau eines Einfamilienhauses in Reichenbach. Baugrenze, Firstrichtung, Dacheindeckung, die Anzahl der Geschosse und die Dachneigung entsprechen nicht den Vorgaben, worin Klaus Schebler (Neue Wege) kein Problem sah, weil unmittelbar daneben das neue Baugebiet entsteht, bei dem es weit weniger Vorgaben gibt. Er könne allem zustimmen, außer der geplanten schiefergrauen Dachfarbe, sagte Hubert Holzheimer (Forum aktiv). Er erinnerte daran, dass man bei einem ähnlichen Bauantrag in Burghausen auf rote Dachziegel bestanden hatte.
Man müsse immer darauf achten, dass die Dachfarbe einheitlich ist, meinte Bürgermeister Helmut Blank (CSU). In Burghausen sei die Sachlage anders gewesen, erinnerte Jürgen Eckert (CSU). Dort gab es im Umfeld ausschließlich rote Dachziegel, während in Reichenbach im neuen Baugebiet auch andere Farben erlaubt werden. Andreas Trägner (Freie Wähler glaubte sogar, dass es schon jetzt in der Nähe ein schieferfarbenes Dach gibt. Das Einvernehmen erfolgte einstimmig.
Eine reine Formsache war der Antrag auf Nutzungsänderung für das Abteigebäude in Maria Bildhausen, wo Veranstaltungen und Tagungen stattfinden können.


Kompletter Umbau

Mit den veralteten Festsetzungen des Bebauungsplanes wurden die Ausschussmitglieder dann noch einmal bei einem Antrag auf Vorbescheid in Reichenbach konfrontiert. Das vorhandene Wohnhaus aus den 1960er Jahren soll komplett umgebaut werden. Unter anderem ist eine Aufstockung vorgesehen. Die Gesamthöhe bleibt durch den Bau eines Walmdaches aber gleich. Erneut erinnerte Hubert Holzheimer an die Gleichbehandlung und frühere Ablehnungen. Da aber hatten die Nachbarschaftsunterschriften gefehlt, hier seien sie vorhanden, sagte Britta Bildhauer (SPD). "Ich lass mich überzeugen", erklärte darauf Hubert Holzheimer. Es gab keine Einwände.
Ein wenig schwieriger war die Angelegenheit beim nächsten Bauantrag. Dabei ging es um neues Balkongeländer, eine neue Haustüre und Tore für Garagen. Das Haus liegt im Geltungsbereich der Gestaltungssatzung der Stadt Münnerstadt. Eigentlich dürfte es da gar keine Balkone im einsehbaren Bereich geben, aber da gilt der Bestandschutz. Sämtliche Tore bzw. die Türe müssten allerdings aus Holz sein. Und: Wie unschwer aus den Sitzungsunterlagen ersichtlich war, sind sämtliche Arbeiten bereits ausgeführt worden.
Wer jetzt eine Trotzreaktion des Ausschusses erwartet hatte, sah sich getäuscht. Im Gegenteil: Bürgermeister Helmut Blank nahm den Antrag zum Anlass, die Altstadtsatzung zu hinterfragen. Die müsste dringend überarbeitet werden. Das habe auch Thomas Kersten kürzlich in einem Zeitungsbericht treffend dargestellt.
Georg Heymann (CSU) unterstützte den Bürgermeister. Es gebe heute Kunststofffenster, die wie Holzfenster aussehen und auch Metalltore könnten in einer Holzoptik beschichtet werden. Außerdem, so führte Jürgen Eckert ins Feld, handele es sich bei dem Haus nicht um eine historische Bausubstanz. Da müsse man andere Kriterien ansetzen als beispielsweise beim Fachwerkhaus daneben. Britta Bildhauer fand sogar, dass die jüngsten Arbeiten eine Verschönerung des Hauses darstellen.
So bekam das Anliegen ebenso das Einvernehmen, wie der Antrag auf Errichtung eines Hofladens mit Einbau einer Eier-Sondierung und eines Zerlegeraums in Kleinwenkheim. Das alte Feuerwehrgerätehaus in Reichenbach wird abgerissen.