Bauboom trifft auf Nachwuchsmangel: Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres sind viele Baufirmen im Landkreis Forchheim vergeblich auf der Suche nach Azubis. Darauf weist die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) unter Berufung auf aktuelle Zahlen der Arbeitsagentur hin.

Danach blieben im Juli 56 Prozent aller Ausbildungsstellen auf dem Bau unbesetzt. Von 32 ausgeschriebenen Plätzen im Landkreis waren noch 18 zu vergeben. Bereits im vergangenen Jahr waren zum selben Zeitpunkt 77 Prozent aller Ausbildungsplätze im Bauhauptgewerbe unbesetzt.

Dringend gebraucht

Gerald Nicklas von der IG Bau Oberfranken spricht von einem "Alarmsignal". Wenn es den Firmen nicht gelinge, Schulabgänger für die dringend gebrauchte Arbeit als Maurer, Straßenbauer oder Baugeräteführer zu finden, dann gerate das Fundament der ganzen Branche ins Wanken. "Aber nur wenn die Arbeitsbedingungen auf Baustellen attraktiver werden, lässt sich das Nachwuchsproblem lösen", ist der Gewerkschafter überzeugt.

In der laufenden Tarifrunde fordert die Gewerkschaft deshalb ein monatliches Einkommensplus von 100 Euro für alle Azubis. Außerdem soll die lange, meist unbezahlte Fahrerei zur Baustelle entschädigt werden, um die Arbeit attraktiv zu halten - auch gegenüber anderen Branchen, in denen weit weniger gependelt wird.

"Wer sich bei der Berufswahl für den Bau entscheidet, der muss auch Familie, Freizeit und Arbeit unter einen Hut bringen können. Aber das klappt für die meisten Berufseinsteiger nur sehr selten", meint Nicklas.

Diese Unzufriedenheit spiegele sich auch in einer hohen Abbrecherquote wider. Laut aktuellem Ausbildungs- und Fachkräftereport der Sozialkassen des Baugewerbes bringt jeder dritte Azubi die Ausbildung nicht zu Ende. red